Aufsatz 
Neues vom Schöpfungsakt : Utopien und Dystopien hinsichtlich einer Sexualität von morgen / Christian Stadelmann
Entstehung
Seite
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Christian Stadeimann

Die Geräte haben im Hinterkopf einen Lautsprecher eingebaut, sprechen also nicht durch den Mund. Das ist schon beiRoxxxy so gewesen. 79Ihre Lippen haben sich aber noch überhaupt nicht bewegt. Sergi Santos, einer jener Ent­wickler, die rezent anSexrobotern arbeiten, hat Kate Devlin gegenüber ein bisschen genauer über die entsprechenden technischen Spezifikationen ge­sprochen. SeineSamantha verfügt demnach über sieben Geschwindigkeiten zu Bewegungen des Mundes. Diese wechseln zufällig alle 0,2 Sekunden,und das so lange, bis sie mit den Sätzen, die sie spricht, durch ist. Dadurch ergebe sich ein ganz passabler Eindruck. 80 Bei der nächsten Version ist zusätzlich zu den Sensoren in Brüsten, Taille, Gesicht, Mund und Vagina, die eine sprachliche Interaktion beziehungsweise Stöhngeräusche auslösen, ein sogenannter Hör­modus mit Vibrationen in der linken Hand und der Vagina hinzugefügt worden. Das Gerät beherrsche über 6000 Sätze. 81 Und die 2018 aktuelle Versionum­fasst Motoren zur Bewegung. Diese werden von zwei Batterien betrieben, die sich direkt unter ihrem Kinn, gleich beim Mikrofon, befinden. 82 Diese Version verfüge auch über ein einfaches Gedächtnis, was damit gemeint ist, wird nicht erklärt. Sie kann zudem durch Penetrationzum Orgasmus kommen unddie­sen mit dem des Nutzers gleichschalten. 83

Die Hersteller bieten angeblich auch Modelle feil, die, weil Schläuche und batte­riebetriebene Heizelemente eingebaut sind, in bestimmten Bereichen der Hülle körperwarm werden. Noch immer handelt es sich dabei um Puppen. Rumpf und Gliedmaßen können hinsichtlich ihrer Stellungen manipuliert werden, sind aber zu keinen eigenständigen Bewegungen fähig. Man stelle sich nun aber vor, dass tatsächlich Geräte gebaut werden würden, die zu einer Umarmung oder zur Einnahme einer sitzenden Position fähig wären - noch gar nicht zu reden vom Stehen oder gar Gehen. Ständig würden dann irgendwo im Körper des Geräts irgendwelche Elektromotoren surren. Es sei einmal dahingestellt, ob das einer entspannten sozialen Beziehung zwischen Mensch und Maschine besonders förderlich wäre; aber solch ein Roboter müsste mehr oder minder ständig mit elektrischer Energie versorgt werden. Auch der zu erwartende Strombedarf und dessen Bereitstellung sehen derzeit keiner alltagstauglichen Lösung entgegen. Ausgehend von solch einem Szenario ist zu vermuten, dass Entwicklung hin zu Robotern von der Art der Replikanten ausBlade Runner, wie sie uns womög-

79 Vgl. Wosk, siehe Anmerkung 4, S. 163.

80 Devlin, siehe Anmerkung 6, S. 124.

81 Ebd., S. 124f.

82 Ebd.

83 Ebd.

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