Aufsatz 
Neues vom Schöpfungsakt : Utopien und Dystopien hinsichtlich einer Sexualität von morgen / Christian Stadelmann
Entstehung
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Neues vom Schöpfungsakt

len, werden daneben noch verwendet. Latex- und PVC-Modelle werden immer mehr vom Markt verdrängt.

Ich kann neben dieser Entwicklung der Oberflächenmaterialien keine techni­schen Entwicklungen ausmachen, die für den Rummel um Sexpuppen und auch die Erwartungen hinsichtlich deren Entwicklung hin zuSexrobotern verant­wortlich sein könnten. Tatsächlich hat es in der Robotik auch historisch be­trachtet noch nie technische Besonderheiten gegeben, die beeindruckender gewesen wären als die äußere Erscheinung und die Wahrnehmung derselben. Wenn ein Roboter Zigarette geraucht oder einer Frau zugezwinkert hat, ist das allemal beeindruckender gewesen als wenn er wirklich gehen hätte können. Die weiter oben genannten Faktoren - leichtere Verfügbarkeit, ansatzweise größere gesellschaftliche Akzeptanz - sind bestenfalls Katalysatoren für besondere Auf­merksamkeit gewesen, dieSexrobotern entgegengebracht worden ist. Das höhere Gewicht, die Möglichkeit, die Positionierung der Gliedmaßen zu ver­ändern und Körperteile auszuwechseln, mögen zwar auch von Bedeutung sein, aber einen technischen Fortschritt repräsentieren diese Eigenschaften nicht. Nur im Bereich des Kunststoffs hat in den letzten beiden Jahrzehnten tatsäch­lich eine bemerkenswerte Entwicklung stattgefunden. Und diese ist insofern entscheidend, als sie die Oberfläche der Puppen betrifft und diese nunmehr erst halbwegs lebensecht ausschauen lässt. Die äußere Wahrnehmung ist zwei­fellos der bestimmende Faktor für die Akzeptanz dieser Geräte und die phan- tasmagorischen Prophezeiungen.

Und was nun?

Wenn das aber wirklich so ist - wenn es sich also bei der Idee der Sexroboter um eine Phantasmagorie handelt - dann ist die ganze Diskussion um die heran­nahende sexuelle Revolution, die unser Gefühlsleben, unser Geschlechterver­hältnis und letztlich unser gesellschaftliches Gefüge insgesamt erfassen wird, doch ein bisschen so etwas wie Spiegelfechterei. Dann werden diese Geräte uns nämlich weder den Weg in eine völlig neuartige sexuelle Erfahrung bereiten, noch werden sie neue Zugänge für Menschen schaffen, die sich mit der Sexua­lität aus welchen Gründen auch immer schwer tun. Und auch die Prostitution werden sie nicht abschaffen können.

Umgekehrt werden aber Sexroboter auch nicht der Grund dafür sein, dass sich das Frauenbild in einer gesellschaftlich besonders nachteiligen Weise entwi­ckelt. Wenn man sich um die weitere Entwicklung des Verhältnisses zwischen

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