Aufsatz 
Queer(y)ing STEM Collections. Ein Workshop zu Gender und Sexualität in Technik- und Wissenschaftsmuseen / Sophie Gerber
Entstehung
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Queer(y)ing STEM Collections

Sophie Gerber

Queer(y)ing STEM Collections. Ein Workshop zu Gender und Sexualität in Technik- und Wissenschaftsmuseen

Wie kann das Museum als kulturelle und soziale Institution die Chancen einer pluralen Gesellschaft nutzen und zu ihr beitragen? Technik- und Wissenschafts­museen prägen die Art und Weise, wie wir über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Zusammenlebens und -handelns mit Technologien und Forschung denken und sprechen. Das sichtbar zu machen, haben Museen lange versäumt. Noch immer werden Technik- und Wissenschaftsgeschichte als Geschichte männlicher Geniestreiche geschrieben, die gegenseitigen Konstruktionen von Gender, Wissenschaft und Technologie - einschließlich queerer Geschichte(n) - aber ausgeblendet. Das steht im Widerspruch zur Macht von Forschung und Technologien, die unser Leben durchdringen und die sozialen Konstruktionen von Gender und Sexualität laufend reproduzieren, aber auch herausfordern.

Wie ist die Arbeit dieser Museen noch durch herkömmliche Sammel-, Text- und Ausstellungspraktiken eingeschränkt? Wie nehmen sich Kuratorjnnen, Prakti- kerjnnen, Forscherinnen dieser Herausforderungen an und welche Werkzeu­ge, Strategien und Methoden sind dafür nützlich?

Vielfalt einzubeziehen und abzubilden bedeutet, einen inklusiven Ort zu schaffen, in und mit dem neues Wissen generiert wird. Auf dem Weg dahin ist es gerade im MINT-Bereich wichtig, der Frage nach Geschlechtervielfalt und der tradierten männlichen Erzählung von Technik und Wissenschaft nachzugehen. Neben der Schaffung von Repräsentationen ist eine Thematisierung der vielfältigen Beziehun­gen von Technik und Gender und deren gegenseitiger Konstruktion eine der Auf­gaben, denen sich das Technische Museum Wien aktuell stellt.

Seit Januar 2019 widmet sich das Museum mit demFokus Gender als samm- lungs- und museumsübergreifendem Schwerpunkt gezielt Gender und Sexualität und fragt danach, wie einque(e)res Lesen und eine Diversifizierung der Samm­lungen möglich sind und wer dazu beitragen kann. Wie kann vielschichtiges, bislang ausgeklammertes Wissen dokumentiert werden, u. a. in Museumsdatenbanken? Am 5. und 6. März 2020 haben sich internationale Expertjnnen im Rahmen des WorkshopsOuter Edge: Queer(y)ing STEM Collections, dem ersten Wiener Workshop zu Gender und Sexualität in MINT-Sammlungen, im TMW zusammen-

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