Aufsatz 
Präsenstechniken und ihre Spuren : Zur soziologischen Vergegenwärtigung von Zukunft / Tilo Grenz
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Tilo Grenz

und verändernden Erinnerungen und Erwartungen . 29 Das Folgende schließt an jüngere Arbeiten an, die dezidiert Konstruktionen von Zukunft fokussieren: Zu nennen wäre die Forschung zuPioniergemeinschaften 30 , zu Forschungs­labors 31 oder zuZukunftsängsten im Medium Spielfilm 32 , sowie Überlegungen zu Methodenfragen, die die Möglichkeiten der Erforschung solcher mithin hoch­aktuellen Phänomene zum Thema haben . 33

Im Folgenden werden zwei Fälle aus dem Feld gegenwärtiger Informations- und Kommunikationstechnik herangezogen, um an diesen einen möglichen sozio­logisch-empirischen Zugriff auf Zukunft aufzuzeigen. Zum Thema wird damit der Umstand, dass und inwiefern individuelle und kollektive Zukunft im ,Hier und Jetzt 1 sozial relevant gemacht wird. Die Auseinandersetzung mit Zukunft nimmt hierbei die Gestalt von Technikentwurf, Technikgestaltung und Technikadap­tation an und erfolgt mit Blick auf Anbieter, Betreiber und Entwickler, also auf die­jenigen, die Medientechnik konzipieren, ausgestalten, anbieten und betreuen . 34

29 Hans-Georg Soeffner: Die Zukunft der Soziologie, in: Ders. (Hg.): Transnationale Vergesell­schaftungen. Verhandlungen des 35. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Frankfurt am Main 2010. Herausgegeben in deren Auftrag von Hans-Georg Soeffner. Wiesbaden 2013, S. 48.

30 Andreas Hepp: Pioneer communities: Collective actors of deep mediatisation, in: Media, Culture & Society 38 (2016), Heft 6, S. 918-933. Das Konzept stützt sich auf ethnographische For­schung zuMakern und zurQuantified-Self Bewegung, die hinsichtlich ihres Versuchs der ge­zielten Einflussnahme auf den Medienwandel betrachtet werden, wobei u. a. die gemeinschafts­stiftende und Agenda-setzende Relevanz spezifischer Zukunftsszenarien herausgestellt wird.

31 Paul Rabinow, Talia Dan-Cohen: A Machine to Make a Future. Princeton 2005. Darin geht es um Molekularbiologen in einer Biotech-Company (Celera Diagnostics). Im Fokus stehen die Biologen, die an der,vordersten Front 1 der Genomentschlüsselung arbeiten und dabei an einem Sequenzer operieren. Die Autoren halten fest, dass der Erfolg dieses Unterfangens zwar hoch­gradig unsicher sei, dass aber diese Maschine, so sie funktioniert, die Zukunft nachhaltig prägen würde:Should this enterprise succeed, it would no doubt be an important machine, one that would make a future. (S. 2)

32 Akremie, siehe Anmerkung 28.

33 Michi Knecht: Ethnographische Praxis im Feld der Wissenschafts-, Medizin und Technikanthro­pologie, in: Stefan Beck, Jörg Niewöhner, Estrid Sorensen (Hg.): Science and Technology Stu­dies. Eine sozialanthropologische Einführung. Bielefeld 201 2, S. 245-274; Tilo Grenz: Für eine gegenwartsdiagnostisch orientierte Ethnographie, in: Ronald Hitzier, Simone Kreher, Angelika Po- ferl u. a. (Hg.): Old School - New School. Zur Frage der Optimierung ethnographischer Daten­generierung. Essen 2016, S. 81-95.

34 Tilo Grenz: Mediatisierung als Handlungsproblem. Eine wissenssoziologische Studie zum Wan­del materialer Kultur. Wiesbaden 2017; Tilo Grenz, Michaela Radenhauer: Kulturen im Wandel: Zur nonlinearen Brüchigkeit von Mediatisierungsprozessen, in: Friedrich Krotz, Cathrin Despot- ovic, Merle Marie Kruse (Hg.): Mediatisierung als Metaprozess. Transformationen, Formen der Entwicklung und die Generierung von Neuem. Wiesbaden 2016, S. 187-210; der referenzierte Text gibt eine kondensierte Zusammenstellung der Zielstellungen und Ergebnisse dieser Pers­pektive auf Mediatisierungsprozesse. Die im Folgenden kurz paraphrasierten Fallbeispiele waren Gegenstand unserer Forschung im DFG-finanzierten ProjektMediatisierung als Geschäftsmo- dell (Leitung: Prof. Dr. Michaela Radenhauer), das seinerseits ein Teilprojekt im interdisziplinären Schwerpunktprogramm 1505Mediatisierte Welten war.

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