Tilo Grenz
danach, was Zukunft ist, wie, wo und von wem sie gesellschaftlich behandelt wird, nicht von Innovation und dessen zeithistorischen gebundenen Verständnissen loszulösen ist . 55 Wenn Nowotny folgert, dass an die Stelle der zunehmend als ungewiss etikettierten Zukunft im Zuge der Modernisierung „Innovation“ getreten ist, dann ist diese in erheblicher Weise in gegenwartsorientierten Absicherungsprozessen verankert.
Trotz der Neuerungen, die hier mit Blick auf Präsenstechniken zur Diskussion gestellt werden, bleibt abschließend festzuhalten: Als Wissenschaft, die sich gleichsam exklusiv mit dem „menschlichen Zusammenleben, dessen Erscheinungsformen, Entstehungszusammenhängen und Folgewirkungen “ 56 befasst, ist die Soziologie, trotz ihrer begründeten Enthaltsamkeit in Sachen prognostizierender Aussagen, mehr denn je mit der Erwartung konfrontiert, Aussagen über aufziehende, anstehende oder gar drohende Entwicklungen zu liefern. Soziologie kann und wird Aussagen über die Zukunft stets als Gegenwartswissenschaft abgeben können - nochmals mit Friedrich Jonas gesagt: an der Erfahrung orientiert und Zukunft zugewandt. Dieser Beitrag soll vor Augen führen, worin dabei ihre Leistung liegt: Sie besteht darin, mit methodisch kontrolliertem und systematischem Zugriff die Pluralität der gesellschaftlichen (Zukunfts-) Konstruktionen zu rekonstruieren, indem sie danach fragt, wo, durch wen, wie und mit welchen (auch nicht-intendierten) Effekten Zukunft sozial relevant gemacht und hervorgebracht wird.
55 Helga Nowotny: Introduction: The Quest for Innovation and Cultures of Technology, in: Helga Nowotny (Hg.): Cultures of Technology and the Quest for Innovation. New York 2006, S. 2-23.
56 Ronald Hitzier: Perspektivenwechsel. Über künstliche Dummheit, Lebensweltanalyse und Allgemeine Soziologie, in: Mitteilungsblatt der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 4 (1997), S. 5-18, hier S. 5.
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