Florian Bettel
Abb. 2 Colonel John H. Pierce
Quelle: Boston Daily Globe, 5.8.1887, S. 4
siasmus mitreißen und betonte, welch guter Interviewpartner ihm gegenübersaß, ,,[h]e lost no time. [...] Models, patents, scientific papers and drawings were scattered about his apartments.“ 15 Pierce legte dem Journalisten dar, alle technischen Fragen wären gelöst, eine Tunnelverbindung zwischen Boston und Liverpool mittels pneumatischer Röhren folglich herstellbar. Neben der bekannten Rohrposttechnik berief sich Pierce vor allem auf die Erfahrungen und das Wissen, die vorangegangene Ingenieure bei der Verlegung der ersten telegraphischen Unterseekabel sammeln konnten, um die Machbarkeit seines Plans zu unterstreichen. Auch den Unterseekabeln wäre die öffentliche Meinung sehr skeptisch begegnet, meinte Pierce, daher müsste man die Öffentlichkeit über die Nützlichkeit seiner Erfindung aufklären - und diese läge klar in der Zeitersparnis. Pierce stellte klar, dass die versprochene Fahrzeit mit der - seiner Darstellung nach - unbegrenzt steigerungsfähigen Geschwindigkeit beliebig gesenkt werden könnte. Lediglich die Finanzierung wäre noch offen, er müsste daher noch potente Investoren für seine Pläne interessieren, um zumindest eine kurze Teststrecke errichten zu können.
Die Boston Daily Globe-Reportage zeichnete mit Pierce nicht bloß die idealtypische Figur eines Erfinders, der die langgehegte Idee seines Lebens verwirklicht sehen wollte, sondern auch einen fähigen Unternehmer, der von den Lizenzgebühren seiner vorangegangenen Entwicklungen gut leben konnte, einen draufgängerischen Veteranen, der sich bereits im Alter von 14 Jahren freiwillig zur Union Army im Amerikanischen Bürgerkrieg gemeldet hatte, und einen medienerfahrenen Journalisten und Herausgeber. Der Journalist, der Pierce 1887 besuchte, gab den Leser/innen bereits in seiner Einleitung einen Hinweis darauf, wie eng verwoben literarische Fiktion und Unternehmertum der Ingenieure waren, indem er feststellte, dass die Geschichte des Erfinders ebenso gut Pro-
15 Ebd.
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