Florian Bettel
weiteren Entwurf einer durch Luft angetriebenen Röhrenbahn. 64 L. K. Edwards wollte mit seinem Projekt die Metropolen der US-amerikanischen Ostküste besser anbinden. Die gesamte Strecke sollte von Washington bis nach Boston verlaufen und die darin verkehrenden Kapseln mit einer Geschwindigkeit von rund 800 Kilometer pro Stunde unterwegs sein. Edwards betonte die Vorzüge seines Systems und hob neben der hohen Geschwindigkeit vor allem die Laufruhe, die Sicherheit und die für die Passagiere fast unmerkliche Beschleunigung und Verzögerung seines Transportsystems hervor - allesamt Punkte, die Verne bereits im „Schnellzug der Zukunft“ beschrieb und so sind es ebendiese Vorzüge, die heute in der Medienberichterstattung zum Hyperloop bemüht werden. 65
Verzeitlichte Utopien
Ingenieure in der zweiten Hälfte des 1 9. Jahrhunderts konnten auf der kollektiven Erzählung aufbauen, dass Utopien nicht nur topografisch sondern auch zeitlich entrückt sein konnten. 66 In der Zeit nach 1848 galt Utopie als politischer Kampfbegriff und wurde eher abwertend verwendet, was dazu führte, dass auf die Eigenbezeichnung „Utopie“ weitgehend verzichtet wurde; viel lieber bemühte man den Begriff „Zukunft“, so u. a. als „Zukunftsbild“. 67 Der technische Fortschritt machte viel von dem realisierbar, was zuvor als utopisch angesehen wurde. So gab es neben der negativen Verwendung des Begriffs auch noch eine, die auf die schrittweise Annäherung an das Ideal hindeutete. 68 „Die Zukunftsutopie ist eine spezifische Leistung des Geistes, der sich auf die Zukunft hin so entwirft, daß die Realisation nachfolgen kann.“ 69 Mit ihren Visionen eigneten sich Ingenieure das an, was noch kommen sollte; sie wurden zu Produzenten der Zukunft. 70 Sie wollten ihre Projekte und Pläne umsetzen - von Utopien sprach kaum jemand. 71
64 L. K. Edwards: High-Speed Tube Transportation, in: Scientific American 213 (1965), Heft 2, S. 30-40.
65 Vgl. u. a. Hyperloop’s Next Successful Test Launch Brings It Closer Than Ever, online unter: www. youtube.com/watch?v=MU4LTv_eNgQ (14.2.201 8)
66 Reinhart Koselleck: Zur Begriffsgeschichte der Zeitutopie, in: Ders.: Begriffsgeschichten. Studien zur Semantik und Pragmatik der politischen und sozialen Sprache. Frankfurt am Main 2006, S. 252-273.
67 Leucht, siehe Anmerkung 17, S. 8f.
68 Koselleck, siehe Anmerkung 66, S. 263, 266.
69 Ebd., S. 261.
70 Haigermoser, siehe Anmerkung 18.
71 Reinhart Koselleck merkt an, dass der deutsche Übersetzer von Louis-Sebastien Merciers (1740-1814) Erzählung „Das Jahr 2440. Ein Traum aller Träume“ (1771) ebenfalls nicht von Utopie spricht, vgl. Koselleck, siehe Anmerkung 66, S. 261.
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