Künstliche Intelligenz
Phantasien neu beflügelt. In den Jahren nach dem vielbeachteten Schachturnier traten Mathematiker und Informatiker auf den Plan, und sie diskutierten sehr konkret über die zu erwartenden Auswirkungen einer dem Menschen überlegenen „künstlichen Intelligenz“. Bis dahin waren solche Überlegungen eher Gedankenspiele der Science Fiction-Autoren und phantasievoller Medien gewesen.
Weitere kleine Kränkungen als Wegweiser hin zur nächsten großen folgten. Nach der Niederlage des Menschen gegen den Schachcomputer wurde verkündet, dass das weitaus komplexere Spiel Go auch fürderhin eine Domäne des Menschen bleiben werde. Knappe 20 Jahre stimmte das auch. Im März
2016 aber gewann der Google-Computer „AlphaGo“ gegen den Go-Meister Lee Sedol (* 1983). Der Unterschied zum Schachturnier bestand darin, dass es nunmehr auch für die Programmiererinnen nicht mehr nachvollziehbar war, wie der Computer seine Spielzüge berechnete. „Deep Learning“ geriet zum neuen Zauberwort. Abermals gesteigert wurde die allgemeine Erregung, als Anfang
2017 auch noch die Software „Libratus“ ein Poker-Turnier gewann. Poker, so hatte man bis dahin verkündet, sei für den Computer eine zu große Hürde, weil das Spiel keinen völlig klaren Strukturen folgt und weil es auch auf intuitives Bluffen ankommt.
Die Hergänge dieser „Niederlagen“ des menschlichen Geistes waren jeweils ähnlich. Die geschlagenen Meister reagierten geradezu schockiert, fast immer jedenfalls menschlich-emotional. Als die Quizprofis Kenneth Jennings (* 1974) und Bradford Rutter (* 1978) Mitte Februar 2011 in der Show „Jeopardy!“ dem eindrucksvoll vorgestellten Computer „Watson“ von IBM im Ratespiel unterlagen, erklärte Jennings: „Ich für meinen Teil begrüße unseren neuen Computer-Herrn.“ 4 Resignierend klatschten die beiden Unterlegenen dem eigentümlich visualisierten Statthalter einer Software in ihrer Mitte Beifall.
Jenseits des Menschen
In den Jahren nach dem Sieg von „Deep Blue“ gegen Garri Kasparow im Schach ist eine Fülle von Literatur zum Thema „künstliche Intelligenz“ entstanden. Unbeschadet der dynamischen Entwicklung der Computertechnologie und gesellschaftlicher Auswirkungen sind einige damals erschienene Bücher nachhaltig wirksam geblieben. Das gilt zum Beispiel für Rodney Brooks* (* 1954)
4 Im Original: „I for one welcome our new computer overlords“, online unter: https://www.youtube. com/watch?v=POObmODBvwl, Minute 33:36 (6.3.201 8)
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