Aufsatz 
Künstliche Intelligenz - ein Missverständnis / Christian Stadelmann
Entstehung
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Künstliche Intelligenz

Phantasien neu beflügelt. In den Jahren nach dem vielbeachteten Schachturnier traten Mathematiker und Informatiker auf den Plan, und sie diskutierten sehr konkret über die zu erwartenden Auswirkungen einer dem Menschen über­legenenkünstlichen Intelligenz. Bis dahin waren solche Überlegungen eher Gedankenspiele der Science Fiction-Autoren und phantasievoller Medien ge­wesen.

Weitere kleine Kränkungen als Wegweiser hin zur nächsten großen folgten. Nach der Niederlage des Menschen gegen den Schachcomputer wurde ver­kündet, dass das weitaus komplexere Spiel Go auch fürderhin eine Domäne des Menschen bleiben werde. Knappe 20 Jahre stimmte das auch. Im März

2016 aber gewann der Google-ComputerAlphaGo gegen den Go-Meister Lee Sedol (* 1983). Der Unterschied zum Schachturnier bestand darin, dass es nunmehr auch für die Programmiererinnen nicht mehr nachvollziehbar war, wie der Computer seine Spielzüge berechnete.Deep Learning geriet zum neuen Zauberwort. Abermals gesteigert wurde die allgemeine Erregung, als Anfang

2017 auch noch die SoftwareLibratus ein Poker-Turnier gewann. Poker, so hatte man bis dahin verkündet, sei für den Computer eine zu große Hürde, weil das Spiel keinen völlig klaren Strukturen folgt und weil es auch auf intuitives Bluffen ankommt.

Die Hergänge dieserNiederlagen des menschlichen Geistes waren jeweils ähnlich. Die geschlagenen Meister reagierten geradezu schockiert, fast immer jedenfalls menschlich-emotional. Als die Quizprofis Kenneth Jennings (* 1974) und Bradford Rutter (* 1978) Mitte Februar 2011 in der ShowJeopardy! dem eindrucksvoll vorgestellten ComputerWatson von IBM im Ratespiel unter­lagen, erklärte Jennings:Ich für meinen Teil begrüße unseren neuen Compu­ter-Herrn. 4 Resignierend klatschten die beiden Unterlegenen dem eigentüm­lich visualisierten Statthalter einer Software in ihrer Mitte Beifall.

Jenseits des Menschen

In den Jahren nach dem Sieg vonDeep Blue gegen Garri Kasparow im Schach ist eine Fülle von Literatur zum Themakünstliche Intelligenz entstan­den. Unbeschadet der dynamischen Entwicklung der Computertechnologie und gesellschaftlicher Auswirkungen sind einige damals erschienene Bücher nach­haltig wirksam geblieben. Das gilt zum Beispiel für Rodney Brooks* (* 1954)

4 Im Original:I for one welcome our new computer overlords, online unter: https://www.youtube. com/watch?v=POObmODBvwl, Minute 33:36 (6.3.201 8)

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