Christian Stadelmann
nenmenschen“ her, die er als Haushaltshilfen eingesetzt wissen wollte. Die letzten beiden Exemplare dieser Serie konnten sich, von Elektromotoren angetrieben, auf Rollen ruckweise vorwärtsbewegen. Für die Illustrierten jener Zeit wurden diese Gestalten mit einem Staubsauger in der Hand fotografiert oder als Butler in Szene gesetzt, die der Dame des Hauses den Tee einschenkten und die Haare kämmten. Die Auftritte dieser „Maschinenmenschen“, mehr noch aber die Interviews, die deren Schöpfer gegeben hat, muten aus heutiger Sicht höchst skurril an. Mit großer Selbstverständlichkeit erläutert er da die Vorzüge seiner Geschöpfe als bedürfnislose Dienerschaft und deutet an, dass das Ende der Hausarbeit gekommen sei. Er redet davon, dass seine Roboter Charakter haben und dass man durch sie „der Seele der Technik auf die Spur“ komme. 23 Wiewohl den Reportern die plumpen Inszenierungen, die da für ihre Fotografen vorgenommen wurden, bewusst gewesen sein müssen, haben sie die Erzählungen offensichtlich kritiklos übernommen und um der „guten Story“ Willen freimütig kolportiert. Solche Reportagen haben sehr viel mehr die Vorstellungen von Robotern geprägt als die vergleichsweise zaghaften Versuche der Hoch- schul-Kybernetiker, wenngleich auch diese ihre Forschungen nicht frei von fik- tionalen Roboter-Bildern betrieben haben.
Auch in die Belletristik der späten 1950er-Jahre hat die Kybernetik Einzug gehalten. Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911-1991) lässt seinen Homo faber 1957 vor der jungen Sabeth mit seinem Wissen um die hochmoderne Wissenschaftsrichtung prahlen. Er erklärt ihr den Begriff „Kybernetik“ und verweist „sie auf Norbert Wiener: Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine, M.I.T. 1948.“ 24 Daraufhin belächelt er „die Roboter, wie sie die Illustrierten sich ausmalen“, schwärmt vom „Elektronen-Hirn“, um dann aber auch der Begriffsverwirrung zu erliegen und den Computer als „Roboter“ zu bezeichnen.
Der Wiener Informatiker Heinz Zemanek (1920-2014) mahnt bei der Verwendung des heute nicht mehr gebräuchlichen, damals aber sehr zeitgemäßen Begriffes „Elektronengehirn“ zur Vorsicht. Sie wecke zu weitgehende Vorstellungen, erklärt er 1952 und stellt dann doch gleich auch die Frage: „Ist die Technik
23 Fernsehberichte des Österreichischen Rundfunks, um 1966, gezeigt im Technischen Museum Wien. Die erwähnten „Maschinenmenschen“ sind ebenfalls dort aufgestellt: „MM7, Selektor“ von 1961 (vgl.: data.tmw.at/obiect/171447) und „MM8, Contina“ von 1964 (vgl.: data.tmw.at/ob- ject/588678).
24 Max Frisch: Flomo faber. Ein Bericht. Taschenbuchausgabe Frankfurt am Main 1977, S. 75.
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