Künstliche Intelligenz
Was denkt denn da?
Bis heute gibt es keine Definition dessen, was „Intelligenz“ ist. Man verwendet den Begriff in einem sehr breiten Bedeutungsspektrum, meint damit zunächst vielleicht einfach nur unterschiedliche Möglichkeiten der Informationsverarbeitung; man denkt an Auffassungsgabe, Lernfähigkeit, Begabung oder das Begreifen komplexer Zusammenhänge. Solche Leistungen lassen sich aber schwer miteinander in Beziehung setzen. Die Vorstellung, dass Intelligenz messbar sei, ist auch trotz ständiger Verfeinerung der Methoden zur Erhebung des Intelligenzquotienten umstritten, Ordnungsmodelle, die für „Intelligenzen“ erstellt werden, sind bestenfalls Annäherungen. Man subsumiert unter dem Begriff Leistungen, die bei unterschiedlichen Personen höchst unterschiedlich ausgeprägt sind: Klugheit, Belesenheit, Weisheit, Bauernschläue, Kreativität und Vorstellungskraft, Intuition, Willensstärke, Verschlagenheit, die Kunst der Rhetorik und die der Orientierung im Raum, Problemlösungskompetenz, strategisches und diplomatisches Geschick und so weiter und so fort. Erst in jüngerer Zeit wurde der Begriff der „Intelligenz der Gefühle“ (emotionale Intelligenz) eingeführt, 32 aber auch das weit über kognitive Fähigkeiten hinausgreifende Konzept der Resilienz müsste in die Versuche, Intelligenz zu definieren und zu messen, miteinbezogen werden. Und hier nun lässt sich der Begriff endgültig nicht mehr greifen. Ohne zunächst auf technische Implikationen einzugehen, müssten wir aber streng genommen, wenn wir „künstliche Intelligenz“ hersteilen wollten, entweder auf all diese Nuancen eingehen oder uns auf eine Definition von „Intelligenz“ einigen, die eine halbwegs verbindliche Übereinkunft findet, damit sie schließlich nachgebaut werden kann. Tatsächlich beschränkt sich die Idee von technisch konstruierter „Intelligenz“ aber auf leicht unterschiedlichen Interpretationen dessen, welche Schlüsse sich aus dem mooreschen Gesetz ableiten lassen, der Feststellung also, dass sich die Rechenleistung von Computern in regelmäßigen Abständen verdoppelt. 33 Beim mooreschen Gesetz handelt es sich aber nicht einmal um ein physikalisch begründbares Naturgesetz. Vielmehr ist es eine Art Faustregel, die, 1965 von Gordon Moore (* 1929), einem Mitbegründer des Halbleiterherstellers Intel, formuliert, bis heute ihre Gültigkeit behalten und allein dadurch eine gewisse Wirkungsmacht erlangt hat. In kaum einer wissenschaftlichen Publikation, geschweige denn in den Medien, wird ihm widersprochen,
32 Geordnet zusammenfassend vgl. Joachim Funke, Bianca Vatterrodt: Was ist Intelligenz? München 1998, S. 59f.
33 https://de.wikipedia.org/wiki/Mooresches_Gesetz (3.3.2018)
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