Christian Stadelmann
seinerzeit bei den Versuchen der Nachbildung menschlicher Sprache und tierischer Verdauung sind wir im Begriff, eine menschliche Funktion nachzubauen, ohne dass wir sie tatsächlich auch verstehen würden - den menschlichen Geist und das menschliche Denken, nämlich. Und wie seinerzeit Wolfgang von Kempelen glaubte, das Sprechen zu verstehen und Jacques de Vaucanson behauptete, die Verdauung zu verstehen, so sind wir der Ansicht, dass wir wissen wovon wir sprechen, wenn von Intelligenz die Rede ist.
Vielleicht kann man aus den historischen Beispielen auch noch einen anderen, hermeneutisch durchaus interessanten Aspekt ablesen: die technische Interpretation biologischer Vorgänge hat zweifelsohne auch eine breitenwirksamere Auseinandersetzung mit den Phänomenen - in diesen Fällen denen des Sprechens und der Verdauung - gefördert. Bei aller unreflektierten sprachlichen Gleichsetzung biologischer mit technischen Vorgängen fördert eine solche wohl auch die Selbsterkenntnis des Menschen. Der Begriff der Intelligenz wird heute mit weit größeren Vorbehalten verwendet wie noch vor ein paar Jahrzehnten. Und das liegt wohl auch daran, dass über die Versuche der technischen Herstellung von Intelligenz die Reflexion über die tatsächliche menschliche Intelligenz deutlich vertieft worden ist.
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