Hundert Jahre Zukunft?
Hubert Weitensfelder
Hundert Jahre Zukunft? Neue Technologien in Österreich seit 1918 - Aspekte und Diskurse
Einleitung
Am 6. Mai 1982 trat Paul Petrovic, Professor für Straßenbau an der TU Wien, vor eine ausgewählte Öffentlichkeit. An diesem Tag zelebrierte der „Fachverband der Fahrzeugindustrie“ im großen Saal des renommierten Wiener Musikvereins sein 75-Jahr-Jubiläum. Unter den Anwesenden befand sich auch der Bundespräsident. Petrovic sprach zu diesem Anlass über die „Rolle des Technikers in der Welt von morgen“. Unter anderem führte er aus:
„Das Denken des Naturwissenschaftlers und Technikers ist in ganz besonderem Maße durch die Zukunft bestimmt und nicht durch die Gegenwart und nicht durch die Vergangenheit. Das heißt nun nicht, daß wir auf Gegenwart und Vergangenheit mit ihren Traditionen und Erfahrungen keine Rücksicht nehmen sollen. Aber Planen heißt ja für die Zukunft tätig sein. Der Techniker, der neue Verkehrswege plant, der Kraftfahrzeuge entwirft und baut, der Hochbauten, Brücken, Versorgungseinrichtungen, Maschinen und Geräte konstruiert, sie alle suchen mit ihren Gedanken die Zukunft. Wenn wir den Beruf eines Technikers mit anderen Berufen vergleichen, dann erkennt man unmittelbar und sehr deutlich seine nur auf die Zukunft ausgerichtete und an ihr orientierte Bindung. Für den Techniker ist der Gedanke an die Zukunft etwas ganz Natürliches, er ist gewissermaßen das Fundament seines Berufes. Und die heute lauthals in Erscheinung tretenden Futurologen, Zukunftsforscher, Prognostiker und wie sie alle heißen, setzen den Techniker eigentlich in Erstaunen, denn viel Neues erfährt er von ihnen [...] nicht. Das einzig Neue daran ist lediglich, daß sich jetzt scheinbar auch Personen mit der Technik auseinanderzusetzen beginnen, die früher keine Verbindung zu ihr gehabt haben. Es sind offenbar jene Personen - und sie verkörpern einen nicht geringen Prozentsatz aller Menschen, auch der hochgebildeten -, die die
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