Aufsatz 
Hundert Jahre Zukunft? Neue Technologien in Österreich seit 1918 - Aspekte und Diskurse / Hubert Weitensfelder
Entstehung
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Hundert Jahre Zukunft?

Für die Erste Republik liegt der Fokus überwiegend auf den Begleitmaßnahmen für technischen Wandel mittels Rationalisierung sowie auf neuartigen Betrach­tungen industrieller Arbeit und ihrer psychologischen Begleiterscheinungen. Vielfach dienten auf diesem Gebiet die USA als Vorbild. In der NS-Zeit führten Kriegsschäden ebenso wie Vertreibungen zu schweren Verlusten an Zukunfts­potentialen.

Nach 1945 traten erneut US-dominierte Konzepte von Produktivität und de­ren Vermittlung im Rahmen des Marshallplans in den Vordergrund. Der Krieg sowie technische Entwicklungen für militärische Zwecke hatten neue Techno­logien und Aspekte des Blicks auf die Zukunft in Gang gesetzt. Dazu zählten die Nutzung der Atomkraft für Forschung und Energiegewinnung, die Entwick­lung von Computern sowie neue interdisziplinäre Betrachtungen und Ansätze zum Systemdenken, wie dies in der Kybernetik der Fall war. Die Anfänge der Mikroelektronik auf Basis der Halbleitertechnik wirkten sich allmählich auf Pro­zesse in der Fertigungstechnik aus, namentlich in den 1980er-Jahren mit dem Einsatz von Industrierobotern und durch neue Konzepte wie CIM, dascom­puter integrated manufacturing. Eine Generation später bahnt sich nunmehr vergleichbares Gedankengut einen Weg, und zwar durch Konzepte vonIndus­trie 4.0 bzw. durch cyber-physikalische Systeme. Material über technologische Aspekte von Zukunft in Österreich in den vergangenen 100 Jahren findet sich in vielerlei Unterlagen. Eine nicht sehr ergiebige, aber kontinuierliche Quelle ist dieZeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins. Ihrer Ausrichtung und ihren Ansprüchen als Standesorgan der Technikerlnnen ist ein weiterer Abschnitt gewidmet.

Erste Republik und NS-Zeit

Die Zeitenwende 1918 stellte im Denken über neuartige Wege in der Tech­nologie in Österreich durchaus eine Zäsur dar. Doch reichen einige wichtige Trends tiefer in die Vorkriegszeit zurück. Dazu zählen Ansätze zur Neuorganisa­tion industrieller Arbeit und Produktion. Starke Bestrebungen in dieser Richtung gingen seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts von den USA aus. Die langfristig erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Konzepte in dieser Rich­tung lieferte der US-Ingenieur Frederick W. Taylor mit seinen Vorstellungen von einemScientific Management. Taylor und andere schlugen eine Reihe von Maßnahmen zur Rationalisierung vor. So wurden etwa die Bewegungen und der Zeitaufwand von Beschäftigten in ihrer jeweiligen Arbeit genau untersucht und

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