Aufsatz 
Hundert Jahre Zukunft? Neue Technologien in Österreich seit 1918 - Aspekte und Diskurse / Hubert Weitensfelder
Entstehung
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Hundert Jahre Zukunft?

außerdem einÖsterreichisches Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (ÖFAI), dem er ebenfalls Vorstand.

Zum ThemaArtificial Intelligence prophezeite Trappl 1985, dass sie das Selbstverständnis vom Menschen wesentlich verändern werde. Er führte aus: Die Intelligenz gilt als eine der wichtigsten Eigenschaften der menschlichen Persönlichkeit. Gegenwärtig wollen Al-Programme dem [!] Menschen unterstüt­zen, in Zukunft werden sie ihn in vielen Belangen ersetzen. Wie [Marvin] Minsky bereits 1966 sagte, ist es unrealistisch zu glauben, daß Maschinen fast so intel­ligent werden wie wir und dann ihre Intelligenz nicht mehr zunehmen wird. Wie werden wir mit einer Intelligenz fertig werden, die höher ist als unsere? Es wäre denkbar, daß wir - die wir gegenwärtig in einer Zeit mit extremer Betonung der Ratio leben - uns wieder mehr auf unsere Spontaneitäten, unsere Gefühle, und unsere Kreativität besinnen. 27

So waren die 1 960er- bis 1980er-Jahre ein Zeitalter regen Aufbruchs und Aus­tausches über Computer, Mikroelektronik, Roboter & Co. Zu den Computer­herstellern im Land zählten dieÖsterreichische Philips Industrie Ges.m.b.H. in Wien und die V.l.E. (Vogel Industrie Elektronik) in Bruck an der Leitha (Niederös­terreich). 28 Zum Thema Mikroelektronik fand in Wien seit 1975 im Abstand von zwei Jahren jeweils eine Tagung im Rahmen einer Internationalen Fachmesse für industrielle Elektronik statt. Die Vorträge wurden publiziert. 29 Österreichische Autoren wandten sich nun vermehrt der Vermittlung des Neu­en für ein größeres Publikum zu. Der 1950 in Wien geborene gelernte Chemi­ker und Publizist Stefan M. Gergely schrieb ein offenbar viel gelesenes Buch zu diesem Thema. 30 Es kam zur rechten Zeit, denn 1 985 beschloss die öster­reichische Bundesregierung ein Förderungsprogramm für Mikroelektronik. 31 Der Publizist Hubert Feichtlbauer (1932-2017) veröffentlichte ein populäres Buch über Computer. Er leitete seinen Text mit der Wiedergabe einer opti-

27 Robert Trappl: Kybernetik und Artificial Intelligence, in: Chroust, siehe Anmerkung 24, S. 95-108, hier S. 95-98; Kybernetik in Österreich. Ein Gespräch zwischen Robert Trappl und Albert Müller, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 19 (2008), Heft 4, S. 113-125, hier S. 114-120.

28 Alois Brusatti, Verena Hofstätter: Produkt Innovationen. Band 1: 99 österreichische Erfolgspro­dukte mit Weltgeltung. Wien 1986, S. 104-111.

29 Vgl. etwa: Redaktionskomitee und Organisationskomitee der ME 85 (Hg.): Mikroelektronik in Ös­terreich. Berichte der Informationstagung ME 1985. Wien, New York 1985 und Mikroelektronik 1987. Berichte der Informationstagung ME 87. Wien, New York 1987.

30 Stefan M. Gergely: Mikroelektronik. Computer, Roboter und Neue Medien erobern die Welt. 3. aktualisierte Auflage München 1985 (erstmals 1983).

31 Friedrich Bleicher, Burkhard Kittl: Die Fertigungstechnik - 199 Jahre Tradition und ständiger Wandel, in: Detlef Gerhard (Hg.): Die Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften (= 200 Jahre TU Wien, Band 5). Wien, Köln, Weimar 2015, S. 35-48, hier S. 37f.

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