Peter Payer
Innovationen mit überregionaler Ausstrahlung entwickelt. Eine moderne Kunsterziehungsbewegung und die Künstlergruppe „Die Brücke“ entstanden, der Großindustrielle Karl August Lingner, Hersteller des Mundwassers Odol, forcierte die Hygienebewegung und gründete ein einschlägiges Museum - und nicht zuletzt wurde auch das Ausstellungswesen im großen Stil vorangetrieben als Mittel der Selbstdarstellung und Positionierung im internationalen Städtewettbewerb. Dafür hatte Dresden eigens einen neuen, repräsentativen Ausstellungsort geschaffen: den im Mai 1896 eröffneten „Ausstellungspalast“ mitsamt dem ihn umgebenden Freiluftareal, situiert zwischen Stübelallee und Lennestraße. 9 Das zentrale Gebäude, ein großer Hallenbau mit Kuppel, glich von außen einer neubarocken Kathedrale. Im Inneren gab es einen Hauptsaal, zahlreiche Nebensäle, Hallen und dazugehörige Pavillons mit insgesamt 20.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, hinzu kam im Freien ein großzügig angelegter Park mit Teich. Seit dem Jahr seiner Eröffnung fanden hier zahlreiche Großveranstaltungen statt: Garten-, Kunst- und Bauausstellungen sowie bereits 1903 eine vielbeachtete Schau zur Entwicklung der Stadt. 10
1928: Ausstellungsschwerpunkt Stadt und Technik
Seinen Ruf als Ausstellungszentrum suchte Dresden nach dem Ersten Weltkrieg zu bewahren und nach Möglichkeit auszubauen. Der im Frühjahr 1921 gegründete „Verein zur Veranstaltung der Jahresschau Deutscher Arbeit“ entwickelte ein Konzept zur längerfristigen Ausstellungstätigkeit. Oberstes Ziel war die Förderung von Industrie, Wissenschaft und Handwerk durch die Präsentation von Spitzenleistungen auf den unterschiedlichsten Gebieten des täglichen Lebens, wozu nicht zuletzt der städtische Alltag gehörte. Die jährlich ausgestellten Themen waren dementsprechend breit gestreut und reichten von Glas, Porzellan, Keramik (1922), Spiel und Sport (1923), Textilien (1924), Wohnung und Siedlung (1925), Gartenbau und Kunst (1926), Papier (1927), Die Technische Stadt (1928), Reisen und Wandern (1929) bis zur Hygiene (1930/31). Die Zahl der Aussteller schwankte jeweils zwischen 300 und 1400, die Be-
9 Vgl. Volker Helas: Vom Werden einer Ausstellungsstadt, in: Dresdner Hefte (2000), Heft 3,
S. 3-11.
10 Die „Deutsche Städte-Ausstellung“ war eine nationale Leistungsschau kommunalen Fortschritts. Insgesamt 129 Städte und 420 Unternehmen präsentierten sich in der Großausstellung, deren Schwerpunkt u. a. auf moderner Technik lag. Vgl. Peter Payer: Die „Deutsche Städte-Ausstellung“ in Dresden (1903). Idee, Gestaltung, Wirkung, in: Ferdinand Opll, Andreas Weigl (Hg.): Städtebünde. Zum Phänomen interstädtischer Vergemeinschaftung von Antike bis Gegenwart (= Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas 27). Wien, Innsbruck, Bozen 2017, S. 275-291.
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