Peter Payer
zusammen: „Der Zweck dieser Ausstellung ist es, zu zeigen, wie heutigentags die Technik in das Leben der Menschen eingreift, wie sie ein Helfer dem wird, der sie richtig erfaßt. In der Stadt spielt sich das Gemeinschaftsleben in den engsten Beziehungen ab, hier stellt das Arbeitstempo erhöhte Anforderungen, wollen die Stunden für Ruhe und Erholung voll ausgenutzt sein. Also kann die Bedeutung technischer Kenntnisse für den einzelnen Menschen am wirksamsten an dem Beispiel einer modernen Stadt Darstellung finden.“ 12 Eine „größere Vertrautheit zwischen Mensch und Technik“ herzustellen, sei das hehre Anliegen der Ausstellung. „Sie führt in die Geheimnisse technischen Lebens ein, indem sie den Lebensquellen der technischen Stadt, ihrem technischen Körper und ihrem Organismus den Schleier nimmt.“ 13
Mit den bekannten biologistischen Analogien sollte das Verständnis von Stadt als komplexes, zutiefst technisch determiniertes Konstrukt erhöht und ihr Funktionieren im Zeichen größtmöglicher Effizienz transparent werden. Dies spiegelte sich sodann in der Gesamtkonzeption der Schau wider, die 750 Aussteller und drei große Themenblöcke umfasste:
1. Lebensquellen: Der im Hauptgebäude untergebrachte Schlüsselbereich erläuterte die zentrale Bedeutung der Versorgung mit Gas, Wasser und Elektrizität. Wobei letzterer als innovativstes und zunehmend wichtiges technisches Gebiet besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. „Ohne Elektrizität ist die technische Stadt nicht mehr denkbar“ 14 , hieß es denn auch apodiktisch im Ausstellungskatalog.
2. Organismus: Die Themen Heizung, Ernährung, Wäschereibetrieb, Verkehr und Nachrichtenwesen sowie Schutz für Leben und Eigentum (Polizei, Hygiene, Feuerwehr, Rettungswesen) wurden in den angrenzenden Hallen behandelt. Hier wandte man sich auch explizit an Frauen, die für ihren Haushalt und ihre Wohnung wertvolle Anregungen erhalten sollten. Denn: „Die Zeit der Wohnungsnot, die Zeit der Sparsamkeit zwingt auch die Frau, sich zur Technik zu bekennen.“ 15
3. Technischer Körper: Die Bereiche Hochbau und Tiefbau, inklusive Straßenreinigung und Müllverwertung sowie Straßenaufbauten waren in einem weiteren Hallenkomplex situiert. Im Mittelpunkt stand das dreidimensional ausgeführte Modell einer idealen Großstadt, entworfen von den beiden Dresdner Archi-
1 2 Die Technische Stadt. Siebente Jahresschau Deutscher Arbeit Dresden 1928. Ausstellungskatalog. Dresden 1928, S. 5.
13 Ebd.
14 Ebd., S. 20.
15 Dresden Jahresschau 1928. 7. Ausstellung. Die Technische Stadt. Werbefolder, o. S.
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