Heft 
2018: Band 80 (2018): Zukunft
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen

Scheiben

Bewegtbild im Film bis hin zu tierischen und menschlichen Akteuren hinter Git­tern bzw. Scheiben; die Scheibe ist zwar durchsichtig, bildet aber immer eine merkliche Trennung, die zum Teil bewusst eingesetzt wird, aber zuweilen auch eine unbewusste, nicht gewollte Trennung verursacht. Der ursprüngliche Titel der TagungScheiben. Medien der Durchsicht und Speicherung (S. 14) wurde für den Buchtitel inMedien der Durchsicht und Reflexion geändert, was nicht nur auf die physische Reflexion von Scheiben anspielt, sondern auch auf das menschliche Reflektieren über das durch die Scheibe Gesehene.

Die beiden Herausgeber, die auch gleichzeitig Organisatoren der Tagung waren, geben in ihrer Einführung zunächst einen kurzen Überblick über die Vielfalt der behandelten Themen. Katja Müller-Helle reflektiert in ihrem Beitrag Susan Son- tags Zugang zum Thema Fotografie in derem Schreiben und hält fest, dass der Fotografie eine Doppelfunktion innewohnt: einerseits ist sie Durchsicht auf das Reale und andererseits ermöglicht sie die Transformation des Realen (S. 17). In seinem Text analysiert Ulrich Meurer die Aufarbeitung des amerikanischen Bür­gerkriegs anhand des Kunstprojekts von Sally Mann, die mittels Rückgriff auf das historische Nass-Kollodium-Verfahren eine aktuelle Interpretation von alten Kriegsschauplätzen erzeugt. Sie sieht ihre FotoserieBattlefields als Referenz an das 19. Jahrhundert und die Protagonisten der Kriegsdokumentation. Florian Krautkrämer beleuchtet die Genese von einem ursprünglich unvermeidbaren Problem beim Filmen gegen die Sonne, dem sogenannten Lens Flare. Gemeint sind hier direkt ins Objektiv fallende Lichtstrahlen, die Blendenflecke auf dem aufgenommenen Bild verursachen. Dies wurde mit der Zeit zu einem bewusst verwendeten Stilmittel, um die Durchsicht durch eine Scheibe, hier das Objektiv der Filmkamera, zu visualisieren. Der BeitragGitter - Scheibe. Medien der Tierschaustellung zwischen Transparenz und Opazität von Sabine Nessel the­matisiert die Integration von Zoos und exotischen Tieren in Filmen. Sie spannt den Bogen vom Genre der frühen Zoofilme zum aktuellen FilmJurassic Park und skizziert darin die Rolle der Scheibe bei der Zurschaustellung von Tieren. Im Medium Film fungiert die Scheibe als transparente Trennung, wird aber erst beiStörung als solche wahrgenommen (S. 106, 112-114). Um menschli­che Akteure hinter Glas geht es im Beitrag von Klara LöfflerIm Schaufenster. Arbeiten hinter Glas. Sie hat den Wandel der Nutzung von Schaufenstern von Wiener Geschäftslokalen untersucht. Bei vielen kleineren Ladenlokalen waren die Schaufenster zumeist guckkastenartig dekoriert, Einblicke in den Innen­raum wurden durch Vorhänge oder Paravents verhindert. Das Publikum sollte motiviert werden, das Geschäft zu betreten und die angebotenen Waren zu

181