Scheiben
anderem den Wandel des Berufsbildes und des Selbstverständnisses der Fleischer, ferner die Entwicklung der Kühlapparate und die Ausdifferenzierung von Werkzeugen und Maschinen; diese technischen Aspekte sind allerdings etwas kurz geraten. Zur Rationalisierung und Industrialisierung der Fleischverwertung wäre auch ein Blick auf die Geschichte der Abdeckerei (Tierkörperverwertung) nützlich gewesen. So entstand in Kaiserebersdorf östlich von Wien um 1880 eine moderne thermochemische Anstalt anstelle der traditionellen Wasenmeisterei, welche die ökonomische Verwertung von Knochen, Häuten, Fett und anderen tierischen Überresten gewährleistete. Offen bleibt auch die Frage, ob die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in großem Stil einsetzenden internationalen Fleischtransporte etwa aus Argentinien eine nennenswerte Konkurrenz zu den Waren aus St. Marx darstellten.
Nieradzik macht kein Hehl daraus, dass er Mitleid mit den Kreaturen hegt, deren millionenfache Tötung in einem zunehmend rationalisierten Umfeld er beschreibt. Er versteht seine Darstellung als (nicht nur historische) Gesellschaftskritik und spricht an einer Stelle von seinem „wissenschaftlichen sowie auch ethischen Bedürfnis“ (S. 65). Man nimmt zur Kenntnis, dass der Autor sich nicht zur Gattung der Karnivoren zählt; immerhin wirken sich seine persönlichen Vorbehalte nicht auf die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit der Arbeit aus. Jedenfalls stellt sein Buch eine verdienstvolle Arbeit dar, mit einem für eine Doktorarbeit sicher außergewöhnlichen Erkenntnisgewinn.
Hubert Weitensfelder Wien
Dennis Göttel, Florian Krautkrämer (Hg.):
Scheiben. Medien der Durchsicht und Reflexion.
Bielefeld: transcript Verlag 201 7, 160 Seiten.
Der Band versammelt die Beiträge einer Tagung an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig vom 23. und 24. Jänner 2015. Die insgesamt neun Beiträge mit einer ausführlichen Einleitung geben jeweils unterschiedliche Sichtweisen auf bzw. durch Scheiben wider. Die Bandbreite der behandelten Themen reicht von Untersuchungen von Fotografien und Glasnegativen über
180