Vorwort
Liebe Leserjnnen,
vor 110 Jahren, im Jahr 1909, fand die Grundsteinlegung des Technischen Museums statt. Vor 100 Jahren, in der jungen Ersten Republik, wurde es Frauen erstmals ermöglicht, sich an einer Technischen Hochschule in Österreich zu inskribieren, um ein Studium zu beginnen - vorausgesetzt, sie beeinträchtigten damit nicht die männlichen Studierenden.
Doch auch 2019 werden trotz scheinbar gleicher Bildungsmöglichkeiten technische Berufe noch immer vor allem von Männern ausgeübt. Daher fragt sich das Technische Museum Wien, wie ein größeres Interesse von Mädchen und Frauen für Technik geweckt werden kann und welche Rolle außerschulische Bildungsorte wie ein Museum dabei spielen. Es möchte als Erlebnisort Neugier auf technische und kulturelle Zusammenhänge wecken und versucht aus historischer Perspektive Antworten auf Fragen zu bieten wie jene, warum so wenige Frauen in technischen Berufen sichtbar sind. Mehr als je zuvor versteht sich das TMW als Institution mit einem Bildungsauftrag für alle, orientiert sich an der Vielfalt seiner Besucherjnnen und weiß um seine Rolle: Als Museum ist es eine kulturelle und soziale Institution und bestimmt die gesellschaftliche Wahrnehmung. Somit hat es die Möglichkeit, Sichtweisen zu verfestigen oder zu brechen - auch auf Gender. Das TMW hinterfragt auch die traditionelle Verknüpfung von Technik und Männlichkeit. Mit Projekten wie dem „NextGenLab“ arbeitet es aktiv daran, Technikbildung und Berufsorientierung für alle zu bieten. Bereits seit 2011 stellen die Spezialführung „Patente Frauen“ und seit 2016 die „Frauengalerie“ Leistungen besonderer Frauen in Naturwissenschaft und Technik in den Mittelpunkt. Eine Erweiterung der Frauengalerie widmet sich ab Herbst 201 9 Fragen der Arbeit und (Aus-)Bildung aus einer Genderperspektive und abteilungsüber- greifend wurde damit begonnen, eine Strategie für gendergerechte Museumsarbeit zu entwickeln. Grundlegend hierfür ist auch die enge Vernetzung und der Austausch mit universitären und außeruniversitären, wissenschaftlichen Partnern, was sich auch in diesem Band der „Blätter für Technikgeschichte“ widerspiegelt.
Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen, die der Frage nach Frauen und Gender im TMW nachgehen: Barbara Hafok und Beatrix Hain als Initia-
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