Aufsatz 
Aufhaltsamer Aufstieg : die Anfänge der technischen Frauenbildung in Österreich / Juliane Mikoletzky
Entstehung
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Juliane Mikoletzky

obwohl es 1974/75 schon einmal fast 18 gewesen waren. 3 Die langfristige Be­trachtung zeigt, dass der Trend zwar langsam nach oben geht, aber keineswegs in einer linearenAufwärtsbewegung.

Das erscheint als eine recht bescheidene Bilanz, wenn man bedenkt, dass Frauen in Österreich schon seit 1919, also heuer seit 100 Jahren, als ordent­liche Hörerinnen an den Hochschulen technischer Richtung inskribieren durften. Wenige Jahre zuvor, 1910, waren sie als reguläre Schülerinnen zu den Staats­gewerbeschulen (den Vorläufern der heutigen HTLs) zugelassen worden, so dass ihnen theoretisch seit dem frühen 20. Jahrhundert eine ganze Palette von Ausbildungsmöglichkeiten für qualifizierte technische Berufsfelder offenstand. Dennoch wurden diese neuen Chancen nur in sehr geringem Ausmaß ergriffen. Anders als an den klassischen Universitäten, an denen seit der Öffnung der Phi­losophischen Fakultäten 1897 die Anzahl der Studentinnen rasch zunahm, blieb eine solche Entwicklung an den technischen Bildungsanstalten und Hochschu­len aus. 4 Das war übrigens in den meisten europäischen Staaten nicht anders, so wie auch die Öffnung der technischen Hochschulen international fast immer um einige Jahre, manchmal auch Jahrzehnte später als die Zulassung an den klassischen Universitäten erfolgte. 5

Das lässt vermuten, dass für die technischen Fächer für Frauen offenbar ein weniger dringendes Bildungsbedürfnis bestand. Ein Grund dafür könnte ge­wesen sein, dass naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie, Physik, Geologie oder Botanik, in der Habsburgermonarchie ab 1897 an den Philosophischen Fakultäten der Universitäten studiert werden konnten, seit 1900 auch Medizin, und dass es dafür mit der Lehrerin und der Ärztin auch Berufsperspektiven gab, die für Frauen akzeptiert waren (eine Ausbildung zur hauptberuflichen Wissen­schaftlerin, also für eine universitäre Karriere, stand ohnehin nie im Vordergrund der Bemühungen um die Öffnung des tertiären Bildungssektors für Frauen). Für

3 Ebd. zu den Informatikerinnen vgl. auch Margit Pohl: Zwischen Null und Eins. Frauen im Informa­tikstudium an der TU Wien, in: Krammer, Szeless, siehe Anmerkung 1, S. 145-149 und dies.: Beruf oder Berufung. Zur Situation der Informatikerinnen an der Technischen Universität Wien, in: Juliane Mikoletzky, Ute Georgeacopol-Winischhofer, Margit Pohl:Dem Zuge der Zeit ent­sprechend... Zur Geschichte des Frauenstudiums in Österreich am Beispiel der Technischen Universität Wien. Wien 1997, S. 301 -316.

4 Zur Entwicklung der Studentinnenzahlen an der Universität Wien vgl. Waltraud Heindl, Marina Ti­chy:Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück... Frauen an der Universität Wien (ab 1897), Wien 1990, S. 153-185; entsprechende Zahlen für die technischen Hochschulen u. a. bei Mikoletzky, Georgeacopol-Winischhofer, Pohl, siehe Anmerkung 3, S. 178-184.

5 Vgl. dazu unter anderem ebd., S. 42f.; Ilse Costas: Der Kampf um das Frauenstudium im interna­tionalen Vergleich, in: Anne Schlüter (Hg.): Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Raffen­weiler 1992, S. 115-144.

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