Aufhaltsamer Aufstieg
den technischen Bereich gab es jedoch zunächst noch keine Berufsbilder, die mit der gesellschaftlichen Rolle der Frau kompatibel erschienen.
Im Folgenden sollen daher zunächst die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen skizziert werden, die einen Zugang von Frauen zu technischen Bildungseinrichtungen und Berufen denkbar werden ließen. In einem zweiten Abschnitt werden die um 1900 einsetzenden Initiativen für eine Öffnung der technischen Hochschulen für Frauen bis zur Zulassung zum ordentlichen Studium 1919 nachgezeichnet und abschließend ein Ausblick auf die ersten Stu- dentinnen-Generationen gegeben.
Die Vorgeschichte
Die Vorgeschichte des technischen Frauenstudiums zeigt, dass es bei den Diskussionen um die Zulassung von Frauen zu den technischen Hochschulen der Habsburgermonarchie immer auch um die Aushandlung entsprechender Berufsbilder ging. Bei ihrer Betrachtung lohnt es sich daher, etwas weiter auszugreifen: Sowohl weibliche Rollenbilder als auch technische Berufsfelder und die damit verbundenen Bildungsinstitutionen erlebten seit dem späten 18. Jahrhundert nachhaltige Veränderungen bzw. wurden überhaupt erst geschaffen. Beide Prozesse liefen etwa zeitgleich ab und haben sich auch wechselseitig beeinflusst. 6
So musste sich die „Technik“ als eigenes Wissenschafts- und Berufsfeld zunächst einmal konstituieren und ihre eigenen (Ausbildungs-)lnstitutionen etablieren. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es zwar mit den sogenannten „Ingenieurakademien“ oder Ingenieurschulen Ausbildungsstätten für Techniker, sie waren aber ausschließlich auf militärische Bedürfnisse ausgerichtet. Das galt zunächst auch für die 1794 gegründete „Ecole Polytechnique“ in Paris, die oft als Vorbild der technischen Hochschulen in Europa zitiert wird. Ebenfalls als Spezialschulen waren die Bergakademien konzipiert (in der österreichischen Monarchie vor allem Schemnitz/Banskä Stiavnica), deren Aufgabe die Ausbildung von wissenschaftlich qualifizierten Bergbeamten war. Das militärische bzw. hoheitliche Profil der Absolventen dieser Einrichtungen prägte von Beginn an den männlichen Sozialcharakter des „Ingenieurs“.
6 Vgl. dazu auch die Untersuchung von Tanja Paulitz: Mann und Maschine. Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs und der modernen Technikwissenschaften, 1850 - 1930. Bielefeld 2012; sie kommt von wissenssoziologischer Seite zu sehr ähnlichen Abläufen und Periodi- sierungen, wie sie im vorliegenden Beitrag angenommen werden.
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