Juliane Mikoletzky
Eigene technische Lehranstalten für den zivilen Bedarf gab es jedoch vorerst nicht, die wenigen „Realakademien“ waren auf den kommerziellen Bereich ausgerichtet. Nachdem sich jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Technik als Wissenschaft („Technologie“) herausbildete (grundlegend dafür waren unter anderem die Arbeiten des Ökonomen Johann Beckmann), wurden in der Folge an einigen Universitäten der Monarchie Vorlesungen über „Ingenieurwissenschaften“ oder „Technologie“ installiert (so in Prag und in Wien), disziplinär meist im Kontext der „Naturgeschichte“. 7 In diesem Zusammenhang begannen bereits erste Überlegungen zur Schaffung ziviler Einrichtungen zur Ausbildung von Technikern.
Vorerst wurde technisches Wissen für den gewerblichen Bereich jedoch ganz überwiegend auf dem konventionellen empirischen Weg weitergegeben, im Rahmen der Ausbildungsprozeduren des Zunftsystems, teils auch durch „training on the job“ und Anlernprozesse etwa in den Manufakturen oder in der Hausindustrie.
In diesem Rahmen konnten auch Frauen wirtschaftlich aktiv sein: Zwar waren sie von einer regulären Ausbildung im System der Zünfte weitgehend ausgeschlossen, aber sie waren sehr wohl als Arbeiterinnen/Produzentinnen in Manufakturen, in der Hausindustrie, als „mithelfende Familienangehörige“ in den kleingewerblichen Betrieben ihrer Familien tätig. Gelegentlich firmierten sie sogar als Betriebsinhaberinnen.
In diesem Kontext waren sie auch durchaus technisch innovativ. Unter den knapp 6000 in Österreich zwischen ca. 1800 und 1850 eingereichten Privilegien (Patenten), die sich in der „Privilegiensammlung“ des Archivs der TU Wien befinden, stammen rund 80 (1,4 Prozent) von Frauen. 8 Auch wenn die Gruppe der hier angesprochenen Erfinderinnen sehr klein war (die Größenordnung entspricht übrigens etwa dem Anteil der ordentlichen Hörerinnen an den österreichischen technischen Hochschulen in den ersten Jahren nach ihrer Zulassung), können über sie doch Einsichten in die wirtschaftlichen Aktivitäten und auch „technischen“ Interessen von Frauen in dieser Zeit gewonnen werden.
7 Vgl. dazu etwa: Herrn Hofrath Beckmanns Vorlesungen über die Technologie, vorgetragen zwischen den Jahren 1783 bis 1793, eingel., komm. u. hrsg. von Alois Kernbauer (=Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz 38) Graz 2002, Einleitung S. I - XVI; siehe auch Hedwig Gollob: Zur Frühgeschichte der Technischen Hochschule in Wien, in: Heinrich Sequenz (Hg.): 150 Jahre Technische Hochschule Wien, Band 1, Wien 1965, S. 161-200.
8 Siehe dazu Juliane Mikoletzky: Innovationen - weiblich. Inhaberinnen von Erfindungsprivilegien in der Habsburgermonarchie während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Helmut Alexander, Elisabeth Dietrich-Daum, Wolfgang Meixner (Hg.): Menschen, Regionen, Unternehmen. Festschrift für Franz Mathis zum 60. Geburtstag. Innsbruck 2006, S. 157-174.
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