Aufhaltsamer Aufstieg
Unter den Einreicherinnen, die überwiegend dem kleinen bis mittleren Gewerbebürgertum zuzurechnen waren, befanden sich Einzelpersonen ebenso wie Inhaberinnen größerer Betriebe wie die Klavierbauerin und Komponistin Nanette Streicher geb. Stein, die zunächst allein, dann gemeinsam mit ihrem Sohn Andreas die Klavierfabrik Streicher leitete 9 , Maria von Miesel, die zusammen mit ihrer Tochter Josefine Peribon eine der größeren Strohhutfabriken in Wien betrieb, oder die Inhaberin der Gumpoldskirchener Pressspanfabrik, Sophie Heimann-Regen. Die eingereichten Patente betreffen überwiegend Erfindungen aus den Bereichen Lebens- und Genussmittelherstellung, Textil und Bekleidung, Haushalt - also aus der unmittelbaren Lebensumwelt der Frauen. Der Sache nach handelte es sich meist um Verbesserungsinnovationen, sei es von Herstellungsverfahren chemischer Produkte, sei es von mechanischen Vorrichtungen, oder auch um die Einführung von Ersatzstoffen für knapp oder teuer gewordene Materialien. Damit unterscheiden sie sich nicht vom Gros der übrigen eingereichten Privilegien. Jedenfalls muss aber ein gewisses Maß an „technischem“ Verständnis für Produktionsprozesse bei den Patentinhaberinnen vorhanden gewesen sein, und dazu die entsprechende unternehmerische Energie - die Einreichung eines Patents war ein bürokratisch reglementierter und auch nicht ganz billiger Prozess. Von einer prinzipiellen, gewissermaßen „natürlichen“ Unvereinbarkeit der Sphären von „Frauen“ und „Technik“ kann zumindest in diesem Bereich für das 18. und frühe 19. Jahrhundert nicht die Rede sein.
Auf diese Klientel der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden zielten zunächst auch die polytechnischen Institute ab, die während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Habsburgermonarchie, ebenso wie in einigen deutschen Staaten, gegründet wurden. Sie waren ausdrücklich auf die Zivilgesellschaft orientiert. Die Gründungsinitiativen kamen zunächst aus dem lokalen Bereich, wie in Prag (1806 k. k. ständ. Polytechnisches Institut) und Graz (1811 lo- anneum): Beide Institutionen waren auch von ihrem Einzugsbereich her eher regional orientiert. Das 1815 in Wien errichtete k. k. Polytechnische Institut war dagegen als kaiserliche Gründung von Beginn an als nationales Spitzeninstitut konzipiert. In den 1840er-Jahren folgten weitere polytechnische Schulen in
9 Vgl. u. a. Uta Goebl-Streicher, Jutta Streicher, Michael Ladenburger (Hg.): „Diesem Menschen hätte ich mein ganzes Leben widmen mögen“ Beethoven und die Wiener Klavierbauer Nannette und Andreas Streicher, eine Ausstellung im Beethoven-Haus, Bonn 1999.
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