Sophie Gerber
tische Ansätze für deren Analyse geliefert . 5 Dass jedoch Herangehensweisen der Queer Studies bzw. Queer Theory und Debatten um die Kategorie Sex in der Technikgeschichte kaum rezipiert wurden, hat Martina Heßler festgestellt . 6 Sie regt an, duale Kategorien zur Diskussion zu stellen und nach „Krisen der Genderkonzepte, nach Erosionen, nach dem Verletzen von Normen und gesellschaftlichen Erwartungen, vor allem aber nach nicht eindeutigen Zuschreibungen oder Praktiken “ 7 zu fragen. Denn bislang unbelichtet bleibt u. a. eine Technikgeschichte, die nachdenkt über Menschen, die die scheinbar naturgegebene Ordnung der zwei Geschlechter in Frage stellen: Trans*personen überschreiten im Laufe ihres Lebens die Grenze zwischen männlich und weiblich und intersexuelle Menschen lassen sich eben nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zuordnen.
In der englischsprachigen Forschung und angrenzenden Disziplinen ist gender- und queerinformierte Technikforschung präsenter. Die Science and Technology Studies (STS) untersuchen Wissensproduktion und Forschungsdesigns, z. B. aus der Psychologie und Hirnforschung, und wie diese auch Geschlechterwissen durch die Annahme einer natürlichen Zweigeschlechtlichkeit produzieren . 8 Berührungspunkte zwischen feministisch-queerem Denken und der Beschäftigung mit Technik finden sich auch im New Material Feminism, der die Grenzen des Menschlichen und Nicht-Humanen hinterfragt. Donna Haraway führte die Begriffe des „Post-Gender“ und des Cyborg ein, die weder der Eine noch die Andere sind und dadurch Dichotomien wie Mensch/Maschine, virtuell/real und Körper/Geist verschwimmen lassen. Haraways Utopie ist eine Befreiung aus der binären Konstitution von Gender und den damit verbundenen Zwängen 9 die sich großteils nicht erfüllen konnte.
5 Vgl. Judith Butler: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. New York, London 1990. Aus der Technikforschung kommt Donna Haraway: Manifesto for Cyborgs. Science, Technology, and Socialist Feminism in the 1980's, in: Socialist Review 80 (1985), S. 65-108.
6 Vgl. dazu Heßler, siehe Anmerkung 4. Blum und Wieland zeigen, wie sehr Technik im 20. Jahrhundert auch zu „einer zentralen Bezugsgröße für unser Verständnis von Sexualität“ wurde: Martina Blum, Thomas Wieland: Technisierte Begierden. Technik und Sexualität im 20. Jahrhundert, in: Dresdener Beiträge zur Geschichte der Technikwissenschaften 29 (2004), S. 69-88, hier S. 69.
7 Heßler, siehe Anmerkung 4, S. 34.
8 Vgl. hierzu u. a. AG Queer STS: Geschlechterwissen in der Hirnforschung. Ein queerer Blick aus den Science and Technology Studies, in: Freiburger Zeitschrift für Geschlechterstudien 19 (2013), Heft 1, S. 67-84; Waltraud Ernst, Ilona Horwath (Hg.): Gender in Science and Technology. Bielefeld 2014.
9 Vgl. Haraway, siehe Anmerkung 5.
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