Out of the box
schlecht als dynamische Kategorie und die binäre Ordnung von Frau und Mann bzw. heterosexuellem Begehren als ausgrenzend verstehen, sowie der Queer Studies, die sich mit Konzepten jenseits von Normen und Kohärenz beschäftigen, notwendig. Welche Anknüpfungspunkte aus verschiedenen Disziplinen bieten hilfreiches Handwerkszeug und nützliche Denkanstöße?
Gender und Queer in der Technikgeschichte
Die technikhistorische Beschäftigung mit Gender beschränkte sich zunächst auf die Rolle von Frauen im Zuge der Rezeption der Frauen- und später der Genderforschung. Stand zunächst die Kritik am Ausschluss von Frauen aus technischen Feldern und an der scheinbar natürlichen Zusammengehörigkeit von Technik und Männlichkeit im Vordergrund, ist es seit den 1990er-Jahren die Ko-Konstruktion von Technik und Gender, erweitert um die Erkenntnis, dass Technik, als kulturelle Äußerung verstanden, Aussagen über Geschlechterverhältnisse trifft.
In den letzten Jahren haben u. a. Martina Heßler und Elsbeth Bösl einen Überblick über den Einfluss der Genderforschung und die Genderinformiertheit in der deutschsprachigen Technikgeschichte geliefert. Bösl merkt an, dass, gemessen an den Beiträgen in der Fachpublikation „Technikgeschichte“, die gen- derbezogenen Publikationen nach einer Konjunktur in den 2000er-Jahren zurückgehen. Sie attestiert zwar Raum für „Frauen-, Männer-, Geschlechter- und Queere-Geschichten“ 2 , doch sei es schwierig, diesen zu nutzen. Geschlecht wird noch immer selten und marginal behandelt und die Beschäftigung mit Technik(-geschichte) hartnäckig als männliche Kompetenz angesehen. 3 Die technikhistorische Männlichkeitsforschung hat gezeigt, dass die Konstruktion einer starken Männlichkeit im Zusammenhang mit Technik mit einer Abwertung von Weiblichkeit einherging. 4
Die Genderforschung hat den Bedarf der Frage nach Nicht-Binaritäten benannt; die Queer Theory bzw. Queer Studies generieren sich aus diesem Ansatz sowie den Gay and Lesbian Studies. Beide Forschungsgebiete haben theore-
2 Elsbeth Bösl: „Eine tiefgreifende Kurskorrektur“?, in: Technikgeschichte 82 (2015), Heft 4, S. 303-328, hier S. 327. In den letzten zehn Ausgaben der „Blätter für Technikgeschichte“ findet sich in vier Heften je ein Artikel, der bereits im Titel einen eindeutigen Bezug zu Weiblichkeit, Männlichkeit und/oder Gender aufweist.
3 Ebd., S. 327f.
4 Martina Heßler: Das Öffnen der black box. Perspektiven der Genderforschung auf Technikgeschichte, in: Daniela Döring, Hannah Fitsch (Hg.): Gender; Technik; Museum. Strategien für eine geschlechtergerechte Museumspraxis. Berlin 2016, S. 28.
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