Sophie Gerber
Entlang dieser Fragen macht der Beitrag Vorschläge und gibt Impulse, um nicht nur eine Lücke zu füllen, sondern neu über Technik nachzudenken. Es werden zunächst Forschungsansätze an der Schnittstelle von Gender und Technikforschung skizziert. Anhand von Beispielen, u. a. aus dem techniknahen Bereich Sport, wird gezeigt, wie die Frage nach nicht eindeutigen Zuschreibungen und Praktiken und dem Bruch gesellschaftlicher Erwartungen gestellt wurde und wird.
Ziel ist es, Ansätze für eine geschlechtersensible und queer informierte Technikgeschichtsschreibung darzulegen und Grenzen sowie Möglichkeiten aufzuzeigen. Breitere Sichtweisen auf Technik und Gender, die über binäre Logiken hinausblicken werden angeregt und die Frage gestellt, wie diese in der Technikforschung produktiv gemacht und in die museale Arbeit übersetzt werden können. Diese neuen Perspektiven bieten ein bislang unentdecktes Forschungsfeld und tragen in weiterer Folge dazu bei, Menschen und Objekte, aber auch Praktiken, die nicht in eine Ordnung nach binären Prinzipien passen, sichtbar zu machen und die in Bezug auf Technik besonders starren Genderstereotype, die hierarchische Wertungen produzieren, abzubauen . 1
Forschungsüberblick und Ansätze:
Technik - Geschichte - Queer
Die Beschäftigung mit offenen Konzepten von Gender in der Technikforschung findet bislang vor allem außerhalb der historischen Disziplinen statt. Diese wiederum haben kaum Technik als Form kulturellen Ausdrucks zum Untersuchungs- gegenstand. Da auch Wissenschaft Geschlecht und Geschlechterverhältnisse mitkonstruiert, ist es wünschenswert, dass gendersensible Themen und Methoden in der Technikhistoriographie vermehrt Beachtung finden.
Nicht-binäre Ansätze an der Schnittstelle von Gender-, Queer- und Technikforschung versprechen einen erweiterten Blickwinkel auf vermeintliche Selbstverständlichkeiten, indem sie diese in Frage stellen. Um diese Ansätze zu entwickeln, ist neben einer Beschäftigung mit genderinfomierten, technikhistorischen und -soziologischen Ansätzen u. a. eine Rezeption der Gender Studies, die Ge-
1 Weitere programmatische Forderungen in dieser Richtung innerhalb der feministischen Technikforschung kommen u. a. auch von Susan Ormrod: „Let’s Nuke the Dinner“. Discursive Practices of Gender in the Creation of a New Cooking Process, in: Ruza First-Dilic, Cynthia Cockburn (Hg.): Bringing Technology Plome. Gender and Technology in a Changing Europe. Buckingham 1994, S. 42-58 und Catharina Landström: Queering Feminist Technology Studies, in: Feminist Theory 8 (2007), Heft 1, S. 7-26.
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