Aufsatz 
Out of the box : Technikforschung, Museum, Gender und Queer / Sophie Gerber
Entstehung
Seite
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Out of the box

Sophie Gerber

Out of the box.

Technikforschung, Museum, Gender und Queer

Technik ist nicht neutral und wird geprägt durch die Zusammenhänge und Ge­gebenheiten, z. B. sozialer und ökonomischer Art, in denen sie entsteht, ge­staltet und vermarktet wird, aber auch durch ihre Nutzung. So schreiben sich soziale Beziehungen und gesellschaftliche Umstände in Techniken ein - dazu gehören Ethnizität, Alter und Klasse, aber auch Geschlechterverhältnisse und -stereotypen. Gleichermaßen wirken Technologien auf Vorstellungen von Gen­der ein. Gender konstruiert Technik und Technik konstruiert Gender.

Diese Einschreibungen und Vorstellungen im Zusammenhang mit Geschlech­terverhältnissen gehen meist von binärer Geschlechtlichkeit aus und werden mithilfe der dualen Kategorien weiblich und männlich beschrieben. Bislang we­nig beachtet in der technikhistorischen Forschung sind Fragen, die die tradierte Binarität der Geschlechterordnung hinterfragen und durchdringen. Schließlich bedeuten Binaritäten auch, zu generalisieren und zu vereinfachen; sie schaffen Hierarchien und Exklusion.

Daher ist die Frage von Interesse, wie nach Widerständigkeiten und Brechungen von diesen Vorstellungen gefragt werden kann, beispielsweise indem mit mehr angenommenen Möglichkeiten gearbeitet wird als den sich gegenüberstehenden Vorstellungen von weiblichem und männlichem Geschlecht einerseits bzw. Hete­ro- und Homosexualität andererseits. Nützlich dafür ist das Schlagwortqueer, einem positiv umgewerteten Schimpfwort für nicht heteronormative Lebenswei­sen und Sexualitäten. Substantivisch gebraucht, wird es oft als Sammelbegriff für LGBTIQ+-Personen (Lesbian, Gay, Bi, Trans, Inter, Queer) verwendet, ist aber in sich keiner Definition verpflichtet und mehrdeutig. Als Verb verwendet, bezieht es sich auf eine Praxis des Verunsicherns und Hinterfragens. Sachverhalte zu quee- ren meint, an ihrer vermeintlichen Selbstverständlichkeit zu rütteln.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, das Aufeinandertreffen von Technik und an­deren, beweglicheren Konzepten von Gender und Sexualität zu analysieren? Welche Rolle spielen Artefakte und materielle Kultur? Und nicht zuletzt: Wie können diese Erzählungen in einem weiteren Schritt in museale Praktiken Ein­gang finden und durch Ausstellungen auch einer breiteren Öffentlichkeit näher­gebracht werden?

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