Brigitte Ratzer, Bettina Enzenhofer
langsam und unter den Professorinnen sind Frauen weiterhin eine Minderheit. Untersuchungen zu Hochschulkarrieren und Hindernissen auf den einzelnen Karrierestufen gibt es sehr viele. Quantitativ betrachtet ist augenfällig, dass der Frauenanteil bei PostDoc-Stellen signifikant geringer ist als bei PraeDoc-Stel- len. 12 Sehr viele Frauen verlassen nach erfolgreicher Dissertation entweder freiwillig den akademischen Forschungsbetrieb oder haben wesentlich geringere Erfolgsaussichten als männliche Mitbewerber. In qualitativen Forschungen zu Frauen in der Promotionsphase werden die Mechanismen untersucht, die zu erhöhter (Selbst-)Selektion beitragen. Hier werden Themen wie fehlende Förderung durch Betreuer_innen, mangelhafte Einbindung in die Forschungsgruppe, Einbindung in Netzwerke und fehlende Karriereperspektiven verhandelt. Auf europäischer Ebene wurden von der Europäischen Kommission eine Reihe von Berichten zur Frage von Frauenkarrieren in den Wissenschaften erstellt. 13 Einen aktuellen Überblick dazu bietet für den deutschsprachigen Raum Ulla Hendrix. 14 Alle diese Forschungen legen den Fokus auf soziale Interaktionen und institutioneile Rahmenbedingungen, nicht aber auf die Frage, inwiefern der Verbleib von Frauen im Wissenschaftssystem von spezifischen inhaltlichen Ausrichtungen abhängt. Unsere Fragestellung fokussiert deshalb wie eingangs angesprochen auf mögliche fachliche Interessensunterschiede von Dissertantinnen und Dissertanten der TU Wien. Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass mehrere Motive in Frage kommen, sich für ein bestimmtes Dissertationsvorhaben zu entscheiden. Diese Motive können, müssen sich aber nicht ausschließen:
Motiv 1: Das Thema selbst ist ausschlaggebend, also das Interesse für das spezifische Fachgebiet, die gewählte Fragestellung ist der Hauptmotivator für die Dissertation. Diese Hypothese geht davon aus, dass Menschen ihre Dissertationsthemen vorwiegend nach ihrem Interesse auswählen.
Motiv 2: Personen oder ein_e konkrete_r Betreuer_in werden gewählt, d. h. die Auswahl des Dissertationsplatzes erfolgt nach sozialen Gesichtspunkten. Menschen gehen in eine Forschungsgruppe, in der sie zuvor schon gearbeitet haben und etwa die Masterarbeit verfasst haben, suchen Betreuungspersonen aus, die sie aus dem Studium kennen o. Ä. Diese Hypothese geht davon aus, dass soziale Kriterien bei der Auswahl des Dissertationsplatzes und damit auch des Dissertationsthemas eine große Rolle spielen.
1 2 https://www.genderportal.eu/blog/she-figures-201 5-report-good-and-bad-news (29.1.2019)
13 https://epthinktank.eu/201 5/04/21 /women-in-science-and-research/ (29.1.2019)
14 Ulla Hendrix: Frauen an der Schwelle zur Wissenschaftskarriere? Geschlechteraspekte der Promotionsphase, in: Jennifer Dahmen, Anita Thaler (Hg.): Soziale Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung. Opladen, Berlin, Toronto 2017, S. 193-210.
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