Dissertant innen an der TU Wien
je mehr Schülerjnnen davon überzeugt sind, dass sie in Mathematik gut sind, desto besser schneiden sie bei Leistungsüberprüfungen auch ab. Im konkreten Fall des Schulunterrichts bedeutet das, dass die Haltung der Lehrperson Einfluss auf die Leistungen der Schülerjnnen hat. Dass dieser Stereotype Threat sehr wirksam ist, wurde unter anderem bei Mädchen bzw. Frauen für das Fach Mathematik untersucht . 8 Die naturwissenschaftlich-technischen Lösungskompetenzen bei Schülerinnen erwiesen sich als besonders abhängig von den vermittelten Rollenzuschreibungen. Zudem weisen einige Untersuchungen darauf hin, dass Mädchen bei schriftlichen Arbeiten besser benotet werden, wenn nicht bekannt ist, dass die Arbeit von einem Mädchen kommt . 9 Fassen wir die Ergebnisse der Schulforschung zusammen, so entsteht folgendes Bild: Mädchen und Burschen zeigen erstens unterschiedliche Interessen in den Naturwissenschaften und werden zweitens durch die Materialien und Interaktionen in den Schulen zusätzlich unterschiedlich motiviert und angesprochen.
Befunde aus dem Hochschulbereich & eigene Datenerhebung
Diese Themenkreise finden sich auch im Hochschulbereich: Einerseits der Diskurs, dass Mädchen bzw. junge Frauen in Natur- und Ingenieurwissenschaften andere Interessen hätten als Burschen bzw. junge Männer. Auch hier wird davon ausgegangen, dass Frauen sich mehr für Menschen, Umwelt und Soziales interessieren, während Männer auch reine Theorie oder bloßes und zunächst anwendungsfreies Tüfteln und Basteln anspricht. Entsprechend finden sich Maßnahmen, wie interdisziplinäre Studiengänge, die verstärkt Frauen ansprechen sollen, da sie mit einer Erweiterung der klassischen naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung in Richtung Medizin, Ökologie o. A. punkten. Aber auch aus dem Umstand, dass Frauen gegenüber Männern in den MINT 10 -Fächern benachteiligt werden, entstanden Maßnahmen, die Veränderungen bewirken sollten. Hier stechen besonders reine Frauenstudiengänge hervor, die meist parallel zu bestehenden Studiengängen eingerichtet werden . 11 Nichtsdestotrotz steigt im deutschsprachigen Raum der Anteil weiblicher MINT-Studierender nur sehr
8 Christine Logei, Jennifer Peach, Steven Spencer: Threatening gender and race: Different manifestations of stereotype threat, in: Michael Inzlicht, Toni Schmader (Hg.): Stereotype threat. Theory, process, and application. New York 2012, S. 159-172; Theresa Kaar: „Thinking women were bad at math impairs early neural processing: Effects of stereotype threat on working memory performance and P300“. Masterarbeit Salzburg 2015, S. 35.
9 Wiesner, siehe Anmerkung 2.
10 MINT: Abkürzung für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
11 https://www.studis-online.de/Studienfuehrer/frauenstudiengaenge.php (22.1.2019)
85