Aufsatz 
"...aber wenn du merkst, dass den männlichen Kollegen mehr zugetraut wird als dir..." :Arbeitskontexte, Erfahrungen und Interessen von Dissertant_innen an der TU Wien / Brigitte Ratzer, Bettina Enzenhofer
Entstehung
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Brigitte Ratzer, Bettina Enzenhofer

Daten II: 16 Interviews

Warum entscheiden sich Frauen an der TU Wien für eine Dissertation? Im Früh­ling 201 7 wurden 16 Dissertantinnen befragt, die über alle Fakultäten (außer Architektur 15 ) verteilt ausgewählt wurden und - wie aus den Bibliotheksdaten analysiert wurde - an Instituten bzw. in Forschungsgruppen mit einem über­durchschnittlich hohen oder niedrigen Frauenanteil arbeiten. Die Interviews wur­den mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet und transkribiert, die angespro­chenen Themen geclustert und ausgewertet. Inhaltlich wurde in den Interviews ein Fokus auf die zuvor beschriebenen Hypothesen gelegt - d. h. inwiefern für Dissertantinnen das Thema, die Betreuungsperson oder die Finanzierung ausschlaggebend dafür waren, eine Dissertation zu schreiben. Während der Interviews hat sich eine Reihe von weiteren Themen (wie z. B. Ungleichbehand­lung von Männern und Frauen) aufgetan, die im Folgenden ebenso dargestellt werden.

Zentrale Ergebnisse

Eine Dissertation wird vorrangig als inhaltliche Vertiefung bzw. als Weiterbil­dung gesehen, die Dissertantinnen haben ein großes Interesse an ihren The­men. Die Dissertationsthemen werden von den Dissertantinnen teilweise als Modethemen gesehen (was vermutlich auch der Finanzierung geschuldet ist), teilweise nicht und sind genauso in angewandter wie in Grundlagenforschung verödet, es finden sich sowohl praktische als auch theoretische Arbeiten. Das Frauen oft zugeschriebene besondere Interesse für interdisziplinäres Forschen wird von den befragten Dissertantinnen nicht als Muss gesehen:In meiner Dis­sertation sind verschiedene Fächer dabei, das finde ich gut, ich mag interdis­ziplinäre Wissenschaften sehr. Aber hätte ich nur nicht-interdisziplinäre Stellen zur Auswahl gehabt, hätte ich das auch gemacht. Es gibt auch Ablehnung einem interdisziplinären Zugang gegenüber:Über Interdisziplinärst wird man wahrscheinlich nicht drum rumkommen, aber es wird dann wahrscheinlich ein bisschen mühsam. Wenn man Inputs von mehreren Seiten braucht, wird die Sache eher langwieriger. Wenn es so ist, ist es eben so, aber ich würde es grundsätzlich eher vermeiden. Auch bestimmte Themen, die in der Literatur

15 Die Fakultät für Architektur nimmt mit einem Frauenanteil von über 50 Prozent unter den Stu­dierenden eine Sonderrolle an der TU Wien ein, weshalb Architektur-Studentinnen nicht in die Interviewstudie inkludiert wurden.

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