Dissertant innen an der TU Wien
oft mit Frauen in Verbindung gebracht werden wie z. B. gesellschaftliche Probleme anzugehen, Lebensqualität zu verbessern, ökologische Verantwortung zu übernehmen etc., rufen bei den befragten Dissertantinnen kein gesteigertes Interesse hervor: „Wenn es in der Literatur heißt, Frauen würden wegen solcher Themen Technik studieren, ist das sexistisch. Natürlich gibt es diese Fälle auch, ich möchte auch die Welt zu einem besseren Ort machen. Aber für mich ist die Forschung an sich interessanter.“ Manchmal liegt das Desinteresse auch am unmittelbaren Umfeld: „Es ist bei uns relativ unüblich, dass man sich über solche Dinge Gedanken macht. Gesellschaftliche Probleme berühren hier niemanden, hier sind hauptsächlich konservative Pragmatiker. Wenn ich so etwas in eine Publikation von uns reinschreiben würde, würde mich mein Betreuer fragen, was das hier sucht.“
Hinsichtlich der Relevanz einer bestimmten Betreuungsperson zeigte sich: Wenn soziale Gründe eine Rolle spielen, dann geht es den befragten Dissertantinnen weniger um eine_n bestimmte_n Betreuer_in oder darum, dass sie unbedingt bei einer Frau schreiben wollen, sondern mehr um die Arbeitsgruppe, die bereits bekannt ist. Auch Role Models werden weniger wegen ihres Geschlechts wahrgenommen, sondern aufgrund bestimmter herausragender Eigenschaften: „Es gab einen Professor mit einer gewissen Vorbildfunktion, weil er kompetent und gut in der Lehre war. Andere waren entweder gut in der Lehre oder gute Wissenschaftler, aber nie beides.“ „Mein Betreuer ist ein Vorbild für mich, weil ich merke, dass er sich selbst treu geblieben ist. Er lässt sich von niemandem dreinreden.“ „Die Tätigkeiten von Professorin X sind erstrebenswert: Sie hat eine Menge an Verantwortungen, sitzt in vielen Gremien und kann trotzdem noch lustig drauf sein und das Leben genießen.“ Weibliche Role Models und deren Sichtbarkeit sind trotzdem wesentlich, auch wenn sie möglicherweise nicht als solche bezeichnet werden: „Ich war immer beeindruckt von Frauen in höheren Positionen, aber sie waren nicht Role Models. Aber ich dachte: Diese Personen haben das und das erreicht, möglicherweise kann ich das auch erreichen.“ Diese Beobachtung deckt sich mit internationalen Studienergebnissen zum positiven Einfluss von Role Models. So resümiert beispielsweise eine aktuelle europaweit durchgeführte Studie, dass sich der Anteil von MINT-inter- essierten Mädchen fast verdoppelt, wenn sie Role Models haben, die sie inspirieren. 16 In einer anderen Studie gaben 27 Prozent der befragten Frauen an, von einem weiblichen Role Model profitiert zu haben, das in einem männlich domi-
16 https://news.microsoft.com/europe/features/girls-in-stem-the-importance-of-role-models/ (29.1.2019)
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