Dissertant innen an der TU Wien
(Token Effekt 29 ) - es kann also durchaus sein, dass sich die Dissertantinnen der TU Wien auch dem bestehenden (Themen-)Angebot anpassen und somit keine Geschlechtsunterschiede feststellbar sind. Doch trotz Anpassung haben sie zusätzliche Schwierigkeiten innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen zu bewältigen: Frauen bekommen weniger Ermutigung und sind öfter vereinzelt/ isoliert. Und obwohl es auch Bedingungen gibt, die für alle schlecht sind - beispielsweise die fehlende Job-Sicherheit oder überlange Arbeitszeiten -, sind diese in puncto Familienplanung für Frauen oft Ausschlusskriterien. Gleichzeitig existiert nach wie vor Sexismus, Leistungen von Frauen werden nicht gleichwertig anerkannt, sie werden isoliert und ausgegrenzt. Auch hier gibt es Anpassungsleistungen, so antwortete eine Dissertantin in der Interviewstudie auf die Frage, ob sie unter sexistischen Witzen leiden würde: „Nein. Es ist eher so bei uns - ich sitze mit mehreren Kollegen im Büro - die kenne ich schon so gut, dass sie scherzhalber darüber lachen - also wir verstehen uns so gut, dass man darüber Scherze machen kann. Insofern ist das Klima ganz entspannt.“ Der sehr hohen Motivation der Studentinnen, sich in ein Thema zu vertiefen, stehen auch negative Faktoren einer klassischen Wissenschaftskarriere im Weg (prekäre Arbeitsverhältnisse, geringe Planbarkeit, hoher Leistungsdruck etc.). Dies sowie erlebter Sexismus und Ausgrenzung geben Hinweise auf die Notwendigkeit eines Kulturwandels an technischen Universitäten, sofern man den Frauenanteil in den oberen Hierarchiestufen erhöhen will. Unser Projekt ist damit auch eine gute Ausgangsbasis um von den Betreuer_innen, Arbeitsgruppen bzw. Instituten zu lernen, wo schon bisher viele Dissertationen von Frauen verfasst wurden.
29 Rosabeth Moss Kanter: Men and Women of the Corporation. New York 1977.
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