Aufsatz 
Gelebte Utopie: Mit Transdisziplinarität zu einer Technikbildung für alle? / Birgit Hofstätter, Anita Thaler
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Gelebte Utopie

Birgit Hofstätter, Anita Thaler

Gelebte Utopie: Mit Transdisziplinarität zu einer Technikbildung für alle?

Einleitung

Die Autorinnen arbeiten seit über zehn Jahren gemeinsam an Konzepten für Technikdidaktik und deren Umsetzung, von denen möglichst alle Kinder und Jugendlichen profitieren sollen. Der Gedanke dahinter ist, dass in einer tech­nologisch konstituierten Gesellschaft 1 Technikbildung als Grundlage selbstbe­stimmten Handelns gesehen werden kann und deshalb eine Demokratisierung eben dieser Technikbildung unabdingbar ist. Wir betrachten Technikbildung - oder technologische Kompetenz 2 - als ganzheitliche Bildung im Sinne Os­kar Negts , 3 das heißt, sie soll neben Anwendungsfertigkeiten unbedingt auch Reflexionswissen (z. B. über gesellschaftliche und ökologische Aspekte) um­fassen . 4

Demokratisierung von Technikbildung bedeutet für uns, dass Wissen, Fertigkei­ten und Gestaltungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Technologien nicht nur für eine technikaffine Minderheit zugänglich sein sollten (z. B. als expliziter Schwerpunkt einer Schule und damit als Wahlmöglichkeit), sondern, wie auch andere Kulturfertigkeiten, eine zentrale Stellung im Regelunterricht einnehmen sollten. Da also eine Demokratisierung von Wissen möglichstalle einschließen soll, beziehen sich unsere Konzepte bevorzugt auf den Pflichtschulbereich, da lediglich durch Einbettung von Technikbildung in die verpflichtende Grundbil­dung verhindert werden kann, dass nur einige wenige davon profitieren (weil z. B. deren Eltern entsprechend vorgebildet sind).

1 Vgl. Arno Bamme, Peter Baumgartner, Wilhelm Berger u. a.: Technologische Zivilisation und die Transformation des Wissens. München 1988; vgl. Nina Degele: Einführung in die Techniksozio­logie. München 2002.

2 Der Kompetenzbegriff ist im Zuge der Ökonomisierung von Bildung kritisch zu sehen, da er dort als etwas vermeintlich Messbares behandelt wird und eine Lehrenden-Lernenden-Hierarchie her­stellt, die einer emanzipatorischen Wirkung von Kompetenz entgegensteht; vgl. Diskussion dazu in Birgit Hofstätter: Medienpartizipation und queer politics. Alltägliches Medienhandeln als Bei­trag zu öffentlichen Diskursen über Geschlecht und Sexualität. Impulse für die Medienbildung. Dissertation an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt 2018.

3 Vgl. Oskar Negt: Kindheit und Schule in einer Welt der Umbrüche. Göttingen 1999.

4 Anita Thaler: Informelles Lernen in der technologischen Zivilisation, in: IFZ Electronic Working Papers, 3 (2014), S. 5f.

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