Aufsatz 
Gelebte Utopie: Mit Transdisziplinarität zu einer Technikbildung für alle? / Birgit Hofstätter, Anita Thaler
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Birgit Hofstätter, Anita Thaler

Weil wir mit unseren Technikbildungskonzepten nicht nur mit Kindern und Ju­gendlichen arbeiten, die von sich aus an Technik interessiert sind, haben wir uns - gemeinsam mit Kolleginnen - Gedanken gemacht, wie Technik interdisziplinär und an die Lebenswelt der Lernenden anknüpfend (in diesem Sinne also ganz­heitlich) vermittelt werden kann . 5 Aus diesen Überlegungen heraus entstand dieVehikeltheorie, 6 die wir im Verlauf der letzten Jahre in verschiedensten Forschungsprojekten umsetzen und testen konnten . 7 Der Grundgedanke dabei ist, dass technologische oder naturwissenschaftliche Themen nicht den Anfang oder das Zentrum des Technikunterrichts bilden, sondern vielmehr ein Thema im Zentrum steht, das die jeweiligen Schülerinnen interessiert und in dem sie sich auch kompetent bzw. selbstwirksam fühlen (zum Beispiel Musik, Fernseh­serien, Mode, etc.). Das jeweilige Vehikelthema wird zunächst mit Workshops, Exkursionen oder Ähnlichem im Unterricht aktiviert, dann werden nach und nach Unterrichtsinhalte aus dem Bereich Naturwissenschaft und Technik angeknüpft und in einem partizipativen Prozess mit den Kindern/Jugendlichen gemeinsam erarbeitet. Partizipativ bedeutet in dieser Hinsicht, dass sich die Schülerinnen selbst ein Ziel (z. B. ein Produkt) setzen können sollen, das sie motiviert, sich naturwissenschaftliche und/oder technische Inhalte anzueignen . 8 Unser Anspruch an Technikdidaktik war dabei immer schon ein möglichst inklu­siver, d. h. die Vermittlung von Technikbildung für alle soll geschlechtergerecht 9 bzw. diversitätssensibel 10 sein. In den letzten Jahren haben wir unser Verständnis einer demokratisierten bzw. demokratisierenden Technikbildung um queer-femi- nistische Überlegungen erweitert 11 und sind schlussendlich bei einem transdis­ziplinären Bildungskonzept angekommen. Mit diesem Konzept soll eine fächer-

5 Christine Wächter: Technik-Bildung und Geschlecht. München, Wien 2003, S. 232; Anita Thaler: Berufsziel Technikerin? München, Wien 2006, S. 49.

6 Vgl. Anita Thaler, Isabel Zorn: Issues of doing gender and doing technology: Music as an innova­tive theme for technology education, in: European Journal of Engineering Education 35 (2010), Heft 4, S. 445-454.

7 Ebd.; vgl. Anita Thaler, Birgit Hofstätter: Geschlechtergerechte Technikdidaktik, in: Marita Kamps­hoff, Claudia Wiepcke (Hg.): Handbuch Geschlechterforschung und Fachdidaktik. Wiesbaden 201 2, S. 287-297; vgl. Birgit Hofstätter, Thomas Menzel-Berger (Hg.): transFAIRmation: Reflexi­ve und transformative Medienarbeit in der Schule zum Thema Fairness. Graz 2014.

8 Siehe genauer dazu Birgit Hofstätter, Thomas Menzel-Berger, Anita Thaler: Thematisierung von Geschlecht und Sexualität in popkulturellen Medien als Vehikel für Technik-Lernen, in: Marita Kampshoff, Claudia Wiepcke (Hg.): Vielfalt geschlechtergerechten Unterrichts: Ideen und kon­krete Umsetzungsbeispiele für die Sekundarstufen. Berlin 201 6, S. 169-204.

9 Thaler, Hofstätter, siehe Anmerkung 7, hier S. 9.

10 Birte Heidkamp, David Kergel: E-Inclusion - Diversitätssensibler Einsatz digitaler Medien. Biele­feld 2018, S. 49-72.

11 Vgl. Birgit Hofstätter, Thomas Menzel-Berger, Anita Thaler: Queer-feministische Technikdidaktik, in: Nadine Balzter, Florian Cristobal Klenk, Olga Zitzeisberger (Hg.): Queering MINT: Impulse für eine dekonstruktive Lehrerjnnenbildung. Opladen, Berlin, Toronto 2016, S. 183-196.

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