Aufsatz 
Gelebte Utopie: Mit Transdisziplinarität zu einer Technikbildung für alle? / Birgit Hofstätter, Anita Thaler
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Gelebte Utopie

und institutionenübergreifende Technikbildung auf Augenhöhe zum Ausdruck gebracht werden, die neben den Lernenden auch die Lehrenden und externe Expertinnen in den Blick nimmt. Was zunächst noch wie eine verschriftlichte Utopie wirkte, setzen wir aktuell in dem ProjektKids4Wearables seit 2017 in die Tat um. Nun geht es nicht mehr nur darum, mit einem Projekt Technikbildung einmalig für eine Schulklasse oder einen Jahrgang an Schülerinnen zugänglich zu machen, sondern durch ein transdisziplinäres didaktisches Konzept Technik­bildung nachhaltig an Schulen zu implementieren. Dazu ist es notwendig, eben nicht mehr bei den Kindern (einer bestimmten Kohorte) anzusetzen, sondern mit den Lehrenden gemeinsam daran zu arbeiten, Technikbildung in verschiedens­ten Unterrichtsfächern möglichst dauerhaft einzubinden. Dazu gilt es, auch die Lehrenden nicht-technischer Fächer mit geeigneten Vehikeln für so eine inklusi­ve Technikbildung zu gewinnen.

In diesem Buchbeitrag beschreiben wir theoretische Überlegungen und innova­tive Technikbildungskonzepte sowie empirische Daten aus drei exemplarischen Bildungsforschungsprojekten der letzten zehn Jahre und reflektieren Stolper­steine auf dem Weg zur gelebten Utopie. Wir folgen dabei einer Chronologie, das heißt, die Projekte und die vorangegangenen Überlegungen dazu zeichnen den Entwicklungsprozess, durch den wir mit der Vehikeltheorie gegangen sind - vom Wunsch nach einer Demokratisierung von Technikbildung über das Prin­zip der Geschlechtergerechtigkeit hin zur Berücksichtigung anderer Kategorien der Benachteiligung bis zum Versuch, Transdisziplinarität im Klassenzimmer zu leben.

Demokratisierung von Technikbildung Theoretische Überlegungen

Technikbildung für alle ist eine Forderung, die eng mit unserem Verständnis von Technik zusammenhängt. Da wir aus der Technik- und Wissenschaftsfor­schung (Science, Technology and Society Studies - kurz STS) kommen, sind für uns das Zusammenspiel bzw. die Ko-Konstruktion von Wissenschaft, Tech­nologie und Gesellschaft zentrale Ausgangspunkte unserer Forschung und Lehre. Wissenschaft und Technologie entstehen aus einer Gesellschaft heraus, gleichzeitig bringen Wissenschaft und Technologie aber auch Gesellschaft her­vor und gestalten diese. Das heißt, unser ganz persönlicher Alltag wie auch die Gesellschaft an sich sind durchdrungen von Technologien, die unser individu­elles Leben wie auch unser Miteinander strukturieren, regulieren und gestalten.

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