Gelebte Utopie
und institutionenübergreifende Technikbildung auf Augenhöhe zum Ausdruck gebracht werden, die neben den Lernenden auch die Lehrenden und externe Expertinnen in den Blick nimmt. Was zunächst noch wie eine verschriftlichte Utopie wirkte, setzen wir aktuell in dem Projekt „Kids4Wearables“ seit 2017 in die Tat um. Nun geht es nicht mehr nur darum, mit einem Projekt Technikbildung einmalig für eine Schulklasse oder einen Jahrgang an Schülerinnen zugänglich zu machen, sondern durch ein transdisziplinäres didaktisches Konzept Technikbildung nachhaltig an Schulen zu implementieren. Dazu ist es notwendig, eben nicht mehr bei den Kindern (einer bestimmten Kohorte) anzusetzen, sondern mit den Lehrenden gemeinsam daran zu arbeiten, Technikbildung in verschiedensten Unterrichtsfächern möglichst dauerhaft einzubinden. Dazu gilt es, auch die Lehrenden nicht-technischer Fächer mit geeigneten Vehikeln für so eine inklusive Technikbildung zu gewinnen.
In diesem Buchbeitrag beschreiben wir theoretische Überlegungen und innovative Technikbildungskonzepte sowie empirische Daten aus drei exemplarischen Bildungsforschungsprojekten der letzten zehn Jahre und reflektieren Stolpersteine auf dem Weg zur gelebten Utopie. Wir folgen dabei einer Chronologie, das heißt, die Projekte und die vorangegangenen Überlegungen dazu zeichnen den Entwicklungsprozess, durch den wir mit der Vehikeltheorie gegangen sind - vom Wunsch nach einer Demokratisierung von Technikbildung über das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit hin zur Berücksichtigung anderer Kategorien der Benachteiligung bis zum Versuch, Transdisziplinarität im Klassenzimmer zu leben.
Demokratisierung von Technikbildung Theoretische Überlegungen
„Technikbildung für alle“ ist eine Forderung, die eng mit unserem Verständnis von Technik zusammenhängt. Da wir aus der Technik- und Wissenschaftsforschung (Science, Technology and Society Studies - kurz STS) kommen, sind für uns das Zusammenspiel bzw. die Ko-Konstruktion von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft zentrale Ausgangspunkte unserer Forschung und Lehre. Wissenschaft und Technologie entstehen aus einer Gesellschaft heraus, gleichzeitig bringen Wissenschaft und Technologie aber auch Gesellschaft hervor und gestalten diese. Das heißt, unser ganz persönlicher Alltag wie auch die Gesellschaft an sich sind durchdrungen von Technologien, die unser individuelles Leben wie auch unser Miteinander strukturieren, regulieren und gestalten.
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