Aufsatz 
Gelebte Utopie: Mit Transdisziplinarität zu einer Technikbildung für alle? / Birgit Hofstätter, Anita Thaler
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Gelebte Utopie

Conclusio

Wie nahe kommen wir nach über zehn Jahren Forschung im Bereich inklusiver Technikdidaktik dergelebten Utopie? Anders gefragt: Lässt sich mit Trans- disziplinarität tatsächlichTechnikbildung für alle realisieren?

Wir haben gelernt, dass mit den entsprechenden pädagogischen Instrumenten (Vehikeltheorie, forschendes Lernen) tatsächlich sehr viele Kinder und Jugend­liche für Technik begeistert und deren technologische Kompetenzen erweitert werden können. Wir haben aber auch erfahren, dass für eine Nachhaltigkeit unserer inklusiven Technikbildung an Pflichtschulen mehr Fokus auf Lehrende (auch nicht-technischer Unterrichtsfächer) gelegt werden muss. Unsere Erfah­rungen im aktuellen Bildungsforschungsprojekt mit fünf verschiedenen Pflicht­schulen deuten darauf hin, dass wir uns mit unserem Wunsch, möglichst an­haltende Änderungen im Technikunterricht zu erzielen, über den Klassenraum hinaus auf lernende Lehrerinnen, aber auch lernende Organisationen und Sys­teme einstellen werden müssen . 54 Dafür, denken wir, wird ein transdisziplinärer Ansatz, der verschiedenste Disziplinen und Akteurinnengruppen auf Augen­höhe miteinander verbindet, tatsächlich der richtige Weg sein. Darüber hinaus haben sich die Verbindung von naturwissenschaftlichen und technologischen Themen mit Interessensgebieten von Lernenden als selbstwirksamkeitsstei- gernd erwiesen, und diese Steigerung der technologischen Selbstwirksamkeit ist es, die nicht nur bei Kindern, sondern gerade bei lernenden Lehrenden so zentral ist. Lehrende dürfen mit didaktischen Innovationen nicht alleine gelassen werden. Sie brauchen zunächst die Chance, entlang ihrer eigenen Expertise und Interessen Anknüpfungspunkte für Techniklernen zu finden. Und sie brau­chen Unterstützung - auch das ist mit Transdisziplinarität gemeint. Denn von fachfremden Lehrenden inklusive Technikdidaktikkompetenzen zu erwarten, ist eine Überforderung, die nicht notwendig ist. Eine Erkenntnis aus zehn Jahren Technikbildungsprojekten ist, dass durch das Einbringen von externen Sicht­weisen und Menschen in das System Schule alle Beteiligten mit erhöhter Mo­tivation und Aufmerksamkeit reagieren und von der gemeinsam entstehenden Kreativität und dem Wissen profitieren.

54 Vgl. Peter Posch, Franz Rauch, Stefan Zehetmeier (Hg.): Das Lernen von Lehrerinnen und Leh­rern, Organisationen und Systemen: Festschrift zum 60. Geburtstag von Konrad Krainer. Münster 2018.

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