Aufsatz 
Gelebte Utopie: Mit Transdisziplinarität zu einer Technikbildung für alle? / Birgit Hofstätter, Anita Thaler
Entstehung
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Birgit Hofstätter, Anita Thaler

Im Lauf des Projektes entstanden so fünf, für den jeweiligen Schulkontext maß­geschneiderte, didaktische Konzepte, um mit dem Vehikel Mode die Einführung in das Feld der Wearable Technologies und inklusive Technikbildung allgemein zu verankern.

Nach einer spielerischen und sinnlich ganzheitlichen Workshopphase zum The­ma Mode und Stoffe schlüpften die Kinder und Jugendlichen in einem kreativen Prozess in die Rolle von Erfinderinnen, in dem sie sich Ideen für technische Erweiterungen für ihre Kleidung überlegen sollten - egal, ob diese Ideen um­setzbar sind oder ob dies auch erst in fernerer Zukunft möglich sein könnte. Um nun die Kinder bei der immer technischer werdenden Umsetzung der Wear­ables im Unterricht unterstützen zu können, bekommen die beteiligten Lehren­den Weiterbildungs- und Coachingangebote. 53

Wir machten die Beobachtung, dass spätestens mit der Einführung der Technik bei den beteiligten Lehrenden unterschiedliche Strategien des Umgangs mit den Projektanforderungen entwickelt werden. Während beim Thema Mode jene Leh­renden, die sich dem Thema Mode gegenüber zurückhaltend positionierten, im Hintergrund blieben, stoßen Lehrende, die sich selbst technikfern einschätzen, bei dem aktuellen Projektabschnitt zunehmend an ihre Grenzen. Eine Schlussfol­gerung daraus ist, dass, wenn Technikbildung in allen Fächern möglich wäre, es auch für die Lehrenden Vehikel erfordert, mit denen sie sich einem technikbezo­genen Thema nähern können. In Interviews mit Lehrenden aus allen fünf Schulen hat sich gezeigt, dass die Kompetenzen, die im E-Textiles-Workshop angeeig­net wurden, durchaus nachhaltig waren. Die interviewten Lehrenden bestätigten, auch in ihrem künftigen Unterricht Stromkreise mit LEDs in mitgebrachte Klei­dungsstücke, Taschen oder Kappen einnähen zu lassen, um Kindern wie sich selbst dieses haptische Lernerlebnis zu ermöglichen. Erst durch diese kreative Arbeit, berichteten einige Lehrende, hätten sie erstmals richtig verstanden, wie ein Stromkreis funktioniert. Dieser Workshop war also für die Lehrenden ein persön­lich erlebtes Anschauungsbeispiel, wie die Vehikeltheorie in der Praxis umgesetzt werden kann und gleichzeitig eine didaktische Erfahrung, die unabhängig vom eigenen Fach weiter eingesetzt werden wird. Dieser Kids4Wearables-Workshop steht somit stellvertretend für die Wichtigkeit positiver Selbstwirksamkeitserfah­rungen im Rahmen von Vehikel-Workshops, sowohl für Lehrende als auch für Kinder, die sich selbst nicht als sehr techniknahe einschätzen würden.

53 Workshops zur Independent Investigation Method, Gestaltung einfacher E-Textiles (Stromkreis mit LEDs in Kleidungsstücken/Accessoires), zu informatischer Modellierung, Programmieren von LilyMini ProtoSnap, zur Reflexion des Prozesses.

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