Pink ausloten
Ana Daldon
Pink ausloten
Im Jahr 2017 wurde die Farbe Pink zum Thema eines Projekts am Technischen Museum Wien (TMW). Begleitend dazu entstand eine neue Gruppe im Rahmen der Sammlungsstrategie; mittlerweile wurden bereits zahlreiche Objekte angenommen, außerdem wurden viele Sammlungsobjekte, die in den Depots lagern, auf ihre Farben hin untersucht. Einige Ergebnisse des Projekts sollen ab November 2019 in einer Schausammlungs-Installation sowie online auf der Website des TMW präsentiert werden.
Derzeit steht die Farbe Pink für eine Reihe von Attributen, wie: kindlich, süß, spaßig, künstlich, weich - aber auch für unsachlich, verführerisch und eitel. Das sind Eigenschaften, die immer noch häufig mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden. Ferner verwenden verschiedene Interessensgruppen Pink bewusst für Kampagnen, wie z. B. für den Kampf gegen Brustkrebs und weitere Frauen betreffende Themen, für LGBTIQ+-Rechte usw. Der kleinste gemeinsame Nenner dieser Zuordnungen: Frauenbild = pink ist heute eine kulturelle Norm mit globalen Dimensionen, die ihre Wurzeln in systematischen kommerziellen Entscheidungen hat. Pink steht somit für ein System informeller Regulierung und Erwartungen. Diese Norm lässt je nach Lebensalter unterschiedliche Konnotationen zu: für Kinder eine frühe Sexualisierung, für Frauen Infantilisie- rung. Solche Assoziationen sind ein rezentes Phänomen, allerdings stellen sie in manchen Ländern noch kein Thema dar.
Die museale Erforschung, Sammlung und Vermittlung pinker Objekte dient also dem Aufzeigen aktueller Alltagspraktiken sowie soziokultureller Phänomene und Trends und nicht zuletzt der Erprobung neuer Geschichten.
Die etablierte Gewohnheit, Pink mit Frauen zu assoziieren, weckt Erklärungsbedarf. Damit befassen sich die Vertreterinnen verschiedener Disziplinen, der Geistes- ebenso wie der Grundlagenwissenschaften. Der Historiker Michel Pastoureau beispielsweise, der mehrere Bücher über Farben geschrieben hat, berichtet, dass im Mittelalter viele Frauen Blau und Männer eher Rot bevorzugten. Dieser Trend kehrte sich seit dem 16. Jahrhundert um; das äußert sich
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