Ana Daldon
bis heute in der tendenziellen Farbenzuordnung für Kinder, nämlich hellblau für Knaben und rosa für Mädchen . 1
Forschungen über Farbenblindheit und andere Beeinträchtigungen des Farbensehens sowie nach Geschlecht gegliederte Statistiken haben weitere Informationen geliefert, wie unterschiedlich Farben, darunter auch Pink, gesehen werden . 2 Die US-Psychologin Christia Spears Brown kritisiert, dass allerdings nach wie vor wissenschaftliche Fragen zu diesem Thema nach dem Schema weiblich/männlich gestellt werden. Allmählich tragen aber Ergebnisse aus Psychologie, Verhaltensforschung, Historie und aus Grundlagendisziplinen wie den Neurowissenschaften zu einer objektiveren Sicht der Farbwahrnehmung und der damit verbundenen Assoziationen bei . 3
Die (Miss-)Rezeption neurowissenschaftlicher Erkentnisse unterstützt bisweilen Klischees, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass nur zwei „(Gehirn)Ge- schlechter“ existieren, die bisweilen auch „blue brain“ und „pink brain“ genannt werden. Die Beurteilung der Fähigkeiten eines Menschen auf der Grundlage des „biologischen Geschlechts“ des Gehirns führt zu einer „neurosexistischen“ Sicht . 4 Diese erinnert ein wenig an ältere Theorien, die Rassismus und Sexismus rechtfertigten. Aus solchen Gedanken entsteht wiederum eine „Paläopoesie“, die Narrative anbietet, um bestimmte Konventionen zu erklären . 5 Das trifft auch auf Pink zu, wenn beispielsweise angenommen wird, in ferner Vergangenheit sei das weibliche Gehirn der „Sammlerin“ von Rot und damit indirekt von Pink angezogen worden . 6
Erfolge der Pinkifizierung
Der Begriff „Pinkification“ bzw. „Pinkifizierung“ definiert zunächst eine Marketingstrategie im Rahmen von „Gendermarketing “ 7 und deren soziokulturel- le Auswirkungen . 8 Solche Strategien setzen bei bestehenden Geschlechter-
1 Michel Pastoureau, Dominique Simonnet: II piccolo libro dei colori. Mailand 2018, S. 32.
2 Riccardo Falcinelli: Cromorama. Come il colore ha cambiato il nostro sguardo. Turin 2017, S. 339f.
3 Christia Spears Brown: Parenting Beyond Pink & Blue: How to Raise Your Kids Free of Gender Stereotypes. Berkeley 2014, S. 86f.
4 Cordelia Fine: Die Geschlechterlüge. Die Macht der Vorurteile über Frau und Mann. Stuttgart 2012, S. 169-300.
5 Harro Albert: Pink als Wille und Vorstellung. Wie unterschiedlich Frauen und Männer Farben sehen und was daraus folgt, in: Die Zeit, 16.8.2018, S. 29.
6 Ebd., nach einem Statement des italienischen Neurowissenschafters Francesco Foroni.
7 Gloria Moss: Gender, Design and Marketing. How Gender Drives Our Perception of Design and Marketing. Farnham 2009.
8 Kerstin Böhm: Archaisierung und Pinkifizierung. Bielefeld 2017, S. 51 f.
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