Pink ausloten
Stereotypen an und nutzen diese, um Verkaufszahlen zu erhöhen. Maßnahmen dieser Art wurden bereits in den 1920er-Jahren in den USA und Europa systematisch zur Steigerung des Konsums eingesetzt. Die Strategien wurden seit der Nachkriegszeit in neuen Massenmedien sowie durch verbesserte Möglichkeiten der Datenerhebung und -analyse wesentlich verfeinert.
Einige Autorinnen analysieren bzw. kritisieren aktuelle Konzeptionen von Pink am Beispiel von Gegenständen sowie deren Verpackung und/oder Bewerbung. 9 Weller und Krämer beispielsweise stellen in ihrer Studie „Du Tarzan, Ich Jane“ 26 Objektpaare vor, die mit dem Code „Geschlecht“ konnotiert sind. Davon weisen 13 die Farbe Pink auf. Zu diesen Konnotationen zählt die Zuordnung Pink bzw. (hell)rosa und (hell)blau für Kinder. 10 Andere Farben für kinderbezogene Konsumgüter schaffen keine solche Dichotomie. Diese wird in kritischen Beiträgen zum Thema „gender marketing“ bisweilen ironisch durch den Kakao gezogen. * 11
Viele Neologismen aus der Wirtschaft stammen aus dem Amerikanischen bzw. Englischen; sie sind auf eine globale Wirkung ausgerichtet. Im Italienischen und Spanischen bezeichnet der Begriff „rosa“ lediglich die Farbe, das Wort „Pinkifi- kation“ für die entsprechende Marketingstrategie ist dagegen in diese Sprachen importiert. Dagegen sind im Deutschen Begriffe wie „Pinkifizierung“ oder seltener „Rosafizierung“ eigenständige Schöpfungen.
Pink als Norm zeigt sich vielfach als neue Form des Konservatismus, gewissermaßen als zeitgemäße Form des Sexismus. Das äußert sich derzeit beispielsweise in Brasilien, wo die Ministerin Damares Alves den Wunsch äußert, dass Mädchen pinke und Knaben blaue Kleidung tragen. 12 Auch auf Spielmessen und Modeveranstaltungen gewinnt dieses Phänomen eine gewisse Öffentlichkeit. Es gibt Projekte, welche diese Konzepte zu unterlaufen versuchen, etwa ein Hamburger Verein unter dem Motto „PinkStinks“, 13 oder ein Projekt auf der
9 https://rosa-hellblau-falle.de/goldener-zaunpfahl-fuer-absurdes-gendermarketing/ (13.8.2019); Karin Ehrnberger, Minna Räsänen, Sara llstedt: Visualising Gender Norms in Design: Meet the Mega Hurricane Mixer and the Drill Dolphia, in: International Journal of Design, 6 (201 2), Heft 3, S. 85-98; Brigit Weller, Katharina Krämer: Du Tarzan, Ich Jane. Gender Codes im Design. Hannover 2011 .
10 Almut Schnerring: Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees. München 2014.
11 Siehe zum Beispiel: https://www.youtube.com/watch ?v=3JDmb_f3E2c (13.8.2018)
1 2 Vanessa Barbara: Brazil Sees Only Pink and Blue, in: The New York Times Weekly, wiedergegeben in: Der Standard, 11.2.2019, S. 2.
13 Stevie Meriel Schmiedel: Pink für alle! Der neue feministische Protest gegen Sexismus in Werbung und Spielzeug. 3. Auflage Hamburg 2017; siehe auch: https://pinkstinks.de/ (19.8.2019)
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