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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Entstehung
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15 tig will man die neue Technik für die eigenen Behörden nutzbar machen für Regierungsangelegenheiten, aber auch zur Verfolgung flüchtiger Verbrecher. 4 Im August 1846 ergeht die kaiserliche Bewilligung, eine reguläre Telegra­fenlinie von Wien nach Brünn zu bauen. Nach britischem Vorbild werden Masten aufgestellt und Kupferdrähte gezogen, die zwar teuer, aber beson­ders leitfähig sind. Eine Woche später reicht die Linie bis Gänserndorf, von wo aus Telegrafierversuche angestellt werden. In den nächsten Wochen erreicht man Dürnkrut und Lundenburg und im Dezember schließlich Brünn. Der Präsident der Hofkammer Karl Friedrich Kübeck von Kübau meldet dem Kaiser die Fertigstellung und erinnert an die ungeklärte Rechtslage. Als Reaktion darauf erlässt der Kaiser am 16. Januar 1847 ein Telegrafenregal, das dem Staat das Recht vorbehält, in Österreich Telegra­fen zu errichten. 5 Eine provisorische Telegrafendirektion wird eingesetzt und Baumgartner deren Leiter. Nach Ausbildung von Personal geht die Linie zwischen Wien und Brünn in Betrieb. Die zum Einsatz kommenden Apparate basieren auf dem Nadeltelegrafen des Schotten Bain. Baumgartner hat das System vor Ort besichtigen und von dem Wiener Mechaniker Johann Michael Ekling in modifizierter Form bauen lassen. Das Wiener Modell verfügt über zwei unterschiedlich klingende Glocken, welche der Zeiger anschlägt, wenn er nach links oder rechts ausschlägt. Und anstelle der nach links und rechts schwenkbaren Gebertaste, die Bain verwendet, benutzt Ekling zwei Einga­betasten je eine für eines der beiden Zeichen. Da jedes der Zeichen als kurzes oder langes Signal gegeben werden kann, stehen vier verschiede­ne Zeichen zur Verfügung: links/kurz, rechts/kurz, links/lang, rechts/lang. Jedem Buchstaben des Alphabets und jeder Ziffer wird eine Kombination aus diesen Zeichen zugeordnet. 6 Es besteht die Erwartungshaltung, dass ein routinierter Telegrafist mit Eklings Apparat pro Stunde 90 Worte zu je sechs Buchstaben absetzen kann. 7 Von Nachteil ist, dass die übermittel­te Botschaft nicht aufgezeichnet wird, was eine nachträgliche Kontrolle unmöglich macht. Der Apparat kostet bei Ekling 24 Gulden. Auf 12 Gulden kommt die doppelte Eingabetaste, genanntCommutator. 35 Gulden kostet die Batterie, die den nötigen Betriebsstrom liefert. Sie besteht aus einer mit Platinmoor überzogenen Silberplatte, welche zwischen zwei Zinkplatten in verdünnter Schwefelsäure steht. Ihre Haltbarkeit beträgt ein halbes Jahr. Weitere 8 oder 12 Gulden sind für eine Weckvorrichtung zu veranschlagen. Denn um den nachts diensttuenden Beamten auf eine eingehendeDe­pesche wie die telegrafischen Nachrichten genannt werden aufmerk­sam zu machen, muss er erst geweckt werden. 8