18 heiten sollen erlaubt werden, Angelegenheiten der bloßen Neugierde und staatsgefährdende Aktivität aber verboten bleiben. Ein möglichst hoher Tarif soll dem Staat bald Einnahmen verschaffen und Missbrauch verhüten. Gintls Vorschlag setzt sich gegen Bedenken manches um die Sicherheit besorgten Ministers durch. Am 9. Oktober 1849 genehmigt der Kaiser die Zulassung der Privatkorrespondenz. Dahingehend heißt es im Abendblatt der amtlichen Wiener Zeitung vom 11. Oktober: „In Folge eines von Sr. Majestät mit allerhöchster Entschließung vom 9. October genehmigten Antrages des Handelsministers wird der Staats-Telegraph in Kurzem auch in Oesterreich zur Beförderung von Privat-Correspondenzen benützt werden. Da jedoch in Oesterreich der Staats-Telegraph auch für die Zwecke des Eisenbahnbetriebes zu dienen hat, für die Staats-Correspondenz aber bei den durchgreifenden und umfassenden Reformen aller Zweige der Staatsverwaltung, so wie bei der großen Ausdehnung des Reiches der Telegraph mehr, als es in andern Ländern der Fall sein möchte, in Anspruch genommen werden muß, und man daher bei uneingeschränkter und definitiver Eröffnung des Staats-Telegraphen für das Publikum leicht in den Fall kommen könnte, dessen Anforderungen nicht genügen zu können, so wird die Benützung des Telegraphen für die Privat-Correspondenz vor der Hand als ein Provisorium, als ein Versuch zu gelten haben, dem in der Folge und nach Maßgabe der gemachten Erfahrungen immerhin eine weitere Ausdehnung und festere Gestaltung gegeben werden kann.” 12 Die Zulassung beinhaltet die Möglichzeit zeitweiser Sperrungen für den privaten Verkehr im Falle von Überlastung. Dies resultiert vor allem daraus, dass die Drahtleitung einen sehr engen Flaschenhals bildet, da alle telegrafischen Nachrichten, Zeichen für Zeichen, hintereinander abgesetzt werden müssen. Im Übrigen sind noch viele grundlegende Fragen unbeantwortet. In baulicher Hinsicht etwa ist offen, ob die Telegrafendrähte über oder unter der Erde verlegt werden sollen. In Preußen, wo ein junger Offizier namens Werner Siemens für den Leitungsbau zuständig ist, geht eine Überlegung dahin, dass der Draht bei unterirdischer Verlegung besser geschützt sei – auch vor mutwilliger Zerstörung, wie der Kriegsminister meint. Dazu bedarf es einer Isolierung, die der Feuchtigkeit wie dem Verbiss durch Nagetiere widerstehen muss. Viel verspricht man sich vom kautschukähnlichen Guttapercha, das aus dem Harz von exotischen Pflanzen gewonnen wird. Siemens, der mit dem Mechaniker Johann Georg Halske in Berlin
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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