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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Entstehung
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21 Dieser Apparat kann in jedem Zug bequem mitgeführt werden und erlaubt im Ernstfall, sich an Ort und Stelle in die Telegrafenleitung einzuklinken, um Hilfe zu holen. 15 Als Telegrafisten werden in den entlang der Strecken entstehenden Sta­tionen vornehmlich ehemalige Soldaten beschäftigt, auf deren Loyalität man zählt. Da sie hoheitliche Aufgaben erfüllen, werden sie vereidigt. Bei einer abzusendenden Depesche ist im Falle eines amtlichen Absenders die Unterschrift, bei einer privaten Eisenbahndepesche auch der Inhalt zu überprüfen und nötigenfalls zu beanstanden; ist alles in Ordnung, ist sie umgehend zu senden. Zum Telegrafieren muss zunächst die Batterie aktiviert und danach durch wechselweises Drücken der beiden Tasten ein Alarmzeichen gegeben werden. Dies hat zur Folge, dass auf allen Stationen die Zeiger an die Glocken anschlagen und die Telegrafisten aufmerksam machen. Dann ist das individuelle Kennzeichen der sendenden Station und danach das der gerufenen zu übermitteln, damit klar wird, von wem die Depesche kommt und an wen sie gerichtet ist. Erst wenn sich der Telegrafist der gerufenen Station, der nun ebenfalls seine Batterie aktiviert, mit seinem Stationszei­chen rückmeldet und Empfangsbereitschaft signalisiert, wird die Nachricht übermittelt, Buchstabe für Buchstabe, und mit kurzen Abständen zwischen den Worten, um das Lesen zu erleichtern. Abschließend wird von der sendenden Station ein Schlusszeichen gegeben, woraufhin die Zielstation bestätigt, alles verstanden zu haben. Ist dies nicht der Fall, wird die Über­mittlung wiederholt. Eingehende Depeschen hat der Telegrafist unver­züglich und in versiegelter Form durch einenbeeideten Boten oder die beigegebene Militär-Ordonanz zustellen zu lassen. 16 Erledigte Fälle sind in ein Protokoll einzutragen. Dadurch hat die vorgesetzte Behörde weit­gehende Kontrolle und die Möglichkeit, Missbräuche des Telegrafen zu erkennen und zu ahnden. Liegt gerade keine Nachricht zum Abarbeiten vor, hat sich der Telegrafist um die Betriebsbereitschaft der Apparate und die Wartung der Batterien zu kümmern. Bei Dienstschluss darf er seinen Platz erst verlassen, wenn seine Ablösung vor Ort ist; fällt die Ablösung krankheitshalber aus, hat er auszuharren, bis Ersatz zur Stelle ist. Die Betriebsbereitschaft des Apparats hat oberste Priorität. Für den Ausbau des Telegrafennetzes rückt Gintl in der Nachfolge von Baumgartner zum Telegrafendirektor auf. Gleichzeitig wird der renommierte Münchner Physiker Carl August Steinheil zum Chef des Telegraphen­Departements im Wiener Handelsministerium berufen. Steinheil zählt zu den Pionieren der Telegrafie. Ihm ist die Erkenntnis von der Leitfähigkeit