64 24 Der Börsentelegraf übermittelt aktuelle Kurswerte. blitzschnelle Übermittlung einer Nachricht über größte Distanzen folgt auf den letzten paar Kilometern ein stundenlanger Fußmarsch. Den Austräger trifft freilich die geringste Schuld. Er leistet einen beschwerlichen Dienst, hat bei jedem Gang immer gleich mehrere Telegramme zuzustellen, oftmals in hohen Stadthäusern über zahllose Stiegen und mitunter bis weit in die Vorstädte hinaus. Schnelle Fuhrwerke einzusetzen verbietet sich aus Kostengründen. Diese Misere wiegt umso schwerer als eine wirtschaftliche Gründerzeit angebrochen ist und Banken, Eisenbahn- und Versicherungsgesellschaften in großer Zahl entstehen. Die auf Hochtouren laufende Industrialisierung heizt die Spekulation an. Verstärkt wird diese noch durch die in Wien im Frühjahr 1873 veranstaltete Weltausstellung, die Kulturleben und Volkswirtschaft zeigen und fördern will. Nicht zufällig ist auch viel Telegrafentechnik ausgestellt, die als Treibriemen des reüssierenden Finanzkapitalismus fungiert. Die Bandbreite reicht von alten Zeigertelegrafen über das dominierende Morsesystem bis zu neueren Modellen wie dem Hughestelegrafen. Zu sehen sind auch spezielle„Börsendrucker“ zur Übermittlung aktueller Börsenkurse. Diese Technik, deren Anfänge bei den Börsen in New York und London liegen, dient dazu, Veränderungen der Kurswerte umgehend an die Arbeitsplätze der Händler im Börsensaal, bald auch in deren Geschäftsgebäude oder in angeschlossene Wechselstuben zu
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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