68 setaste zu geben imstande ist. Der Telegrafist schafft in der Regel rund 5 Impulse pro Sekunde, die Leitung kann hingegen 20 transportieren, also viermal so viel. 14 Meyers Telegraf ist deshalb als Vierfachapparat ausgeführt, das heißt, er verfügt über vier Arbeitsplätze an einem Tisch, die sich eine einzige Leitung teilen. Von jedem der vier Plätze aus kann zur selben Zeit ein Telegramm abgegeben werden. Die Eingabe der Zeichen erfolgt jeweils über eine Klaviatur, die aus vier weißen und vier schwarzen Tasten besteht. Erstere erzeugen längere Stromimpulse, also Striche, Letztere kürzere, sprich Punkte. Die zu übermittelnden Buchstaben und Ziffern werden aus Kombinationen von bis zu vier Strichen und Punkten gebildet. Ein Buchstabe wird übermittelt, indem man, von links ausgehend, die betreffenden weißen und schwarzen Tasten gleichzeitig niederdrückt und eine knappe Sekunde gedrückt hält. Zum Übermitteln von Ziffern werden die entsprechenden Tasten von der rechten Seite der Tastatur ausgehend gedrückt. Am Papierstreifen werden dann Buchstaben quer von links nach rechts und Ziffern von rechts nach links dargestellt, und zwar jeweils nur einer bzw. eine pro Zeile. Wortzwischenräume entstehen am Streifen dadurch, dass für die Dauer eines Zeichens keine Taste gedrückt wird. Die Koordinierung der vier Arbeitsplätze eines Meyertelegrafen geschieht mithilfe eines Verteilers in Form einer Ebonitscheibe. Die Scheibe ist in vier Segmente gegliedert und verfügt an ihrem äußeren Rand über Schleifkontakte. Die Kontakte jedes Segments sind mit den acht Tasten der Tastatur des zugehörigen Platzes verkabelt. Wird eine Taste gedrückt, fließt Strom. Ein mit durchschnittlich 75 Umdrehungen pro Minute um den Scheibenumfang rotierender Abnehmer nimmt den Strom ab und schickt bei jeder Umdrehung von jedem Segment die Impulse eines Buchstabens oder einer Ziffer in die Leitung. Eine Schwierigkeit bildet dabei der Umstand, dass jeder der vier Telegrafisten seine Tasten innerhalb jenes kurzen Zeitfensters drücken muss, in dem der Schleifkontakt seine Runde absolviert. Dabei hilft, dass der rotierende Abnehmer ein leises regelmäßiges Geräusch erzeugt, das den Takt vorgibt. Auf der Empfängerseite arbeitet ein analoger, exakt synchronisierter Vierfachapparat, der die übermittelten Impulse wieder auseinandersortiert und die vier verschiedenen Telegramme wiederherstellt. Die Synchronisation erfolgt durch ein regelmäßig gesendetes elektrisches Signal, an dem der Empfänger nötigenfalls ausgerichtet – beschleunigt oder gedrosselt – werden kann. Die übermittelten Zeichen werden auf der Empfänger- wie auf der Senderseite auf einen Papierstreifen gedruckt. Der Telegraf von Meyer kommt beim österreichischen Staatstelegrafen zunächst auf der Linie Wien–Prag zum Einsatz, wo er mangels Aufkommens
Dokument
Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Seite
69
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten