Dokument 
Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Entstehung
Seite
77
Einzelbild herunterladen

76 30 Frühes Modell eines Fernsprechapparats von Schäffler. des richtigen Kontakts am Vermittlungsschrank die Verbindung her. Um Zweifel bezüglich Diskretion zu zerstreuen, wird in der Neuen Freien Presse herausgestrichen, dass die Vermittlerin vom Gespräch selbstkein Sterbenswort zu hören bekommt:Die delicatesten Familiengeheimnis­se, die beredtesten Liebesgeständnisse, die wichtigsten Börsenaufträge, die vertrautesten Gedankenaustausche gehen lautlos an ihr vorüber. 3 Im Jahr darauf entsteht auch eine mit der Zentrale in der Friedrichstraße verbundene Vermittlungsstation für 200 Teilnehmer im Börsengebäude. Sie soll Verbindung zu Geschäftslokalen und Wohnungen von Geschäfts­leuten herstellen, damit sich diese jederzeit über aktuelle Entwicklungen am Aktienmarkt informieren können. 4 Der direkte Kanal hat freilich seinen Preis. Die Wiener Privat-Telegraphen­Gesellschaft stellt ihren Abonnenten für die Benützung von Leitungen und Apparaten jährlich die stattliche Summe von 100 Gulden an Gebühr in Rechnung, wenn sie weniger als zwei Kilometer von der Zentralstation entfernt residieren, und 25 Gulden zusätzlich für jeden weiteren Kilometer Distanz. Eine der Börsenleitungen kostet unter zwei Kilometer Entfernung 200 Gulden und 50 für jeden weiteren Kilometer. Für eine private Tele­fonlinie, etwa zwischen einem Geschäftslokal und einer Fabrik ein und desselben Eigentümers, hebt die Gesellschaft unter zwei Kilometer 160 Gulden zuzüglich 40 für jeden weiteren Kilometer ein. Andererseits ist die Wiener Privat-Telegraphen-Gesellschaft durch die Konzession verpflichtet,