78 deutliches Gespräch zu führen, Aufträge zu ertheilen und zu empfangen, ohne den Zeitverlust und die im Laufe eines Jahres sich bedeutend summierenden Kosten von Botengängen“. 8 Die Telefonzentrale der privaten Gesellschaft darf in den Räumen des staatlichen Linzer Telegrafenamts eingerichtet werden, nachdem sie sich verpflichtet hat, ihren Abonnenten Telegramme, die für sie von auswärts kommen, telefonisch zuzustellen und von ihnen Telegramme zur Aufgabe telefonisch entgegenzunehmen und umgehend zur Telegrafierung weiterzuleiten. 9 Derartige private Telefonnetze zur Erweiterung des Telegrafennetzes entstehen in der Folge auch in anderen Städten der österreichischen Reichshälfte. Die Vorzüge der telefonischen Korrespondenz liegen in ihrer unvergleichlichen Schnelligkeit. Im Geschäftsverkehr wirft sie aber das Problem auf, wie mit einer mündlichen Order einer unsichtbaren Person umzugehen ist. Dahinter steht einmal mehr die rechtlich brisante Frage, wer im Falle eines Missbrauchs für den entstandenen Schaden haftet und wann eine Vereinbarung als verbindlicher Vertrag gilt. Grundsätzlich traut man dem geschriebenen Wort mehr als dem gesprochenen. Ein neuer Apparatetyp soll dahingehend Abhilfe schaffen – der so genannte„Télescripteur“ von Bernhard Hoffmann. Dabei handelt es sich um einen Fernschreibapparat, der in die bestehende Telefonleitung geschaltet wird. Dadurch könne künftig jeder Telefonabonnent mit anderen Abonnenten schriftlich korrespondieren, aber auch Telegramme aufgeben und annehmen. Besonders interessant sei er für Zeitungen, übermittle er etwa Berichte auswärtiger Korrespondenten in fertiger Form, schneller als mit dem öffentlichen Telegrafen und ohne die Fehler, die sich beim Diktieren am Telefon zumeist einschleichen. Dabei zeichne ihn einfache Bedienbarkeit aus. Die Tastatur verfügt über Tasten für Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen, die einfach nacheinander gedrückt werden müssen. Der Télescripteur ähnelt einer der neuartigen Schreibmaschinen, die sich gerade von Nordamerika aus in der Welt verbreiten und die für schnelle und einheitliche Aufzeichnungen und Korrespondenzen sorgen. Außerdem erlaubt er den Empfang von schriftlichen Nachrichten sogar dann, wenn er unbesetzt ist. In diesem Fall schreibt er die eingehende Nachricht selbsttätig auf einen Papierstreifen. 10 Allerdings funktioniert er nicht problemlos. Er verursacht Störungen in Telefonleitungen, weshalb er letztlich im bestehenden Telefonnetz keine Verwendung findet. 11 Die privaten städtischen Telefonnetze prosperieren, was schon nach einigen Jahren zu ihrer Verstaatlichung führt. Legitimiert werden die
Dokument
Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Seite
79
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten