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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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79 31 Der Télescripteur von Hoffmann verspricht schriftliche Aufträge über die Telefonleitung zu übermitteln. Übernahmen mit der Behauptung, Privatunternehmen würden vorrangig im eigenen Interesse und auf Kosten der Allgemeinheit arbeiten und wä­ren überdies ausländischen Einflüssen ausgeliefert. Tatsächlich geht es bei den Übernahmen wohl hauptsächlich darum, dem Fiskus künftig sichere Einnahmen zu verschaffen. Als Letztes geht 1895 das der Wiener Privat­Telegraphen-Gesellschaft mit gut sechseinhalbtausend Abonnenten samt Anlagen, Personal und Material in staatliches Eigentum über. 12 Bei dieser Gelegenheit wird dem Drahtnetz ein überaus schlechter Zustand attestiert, zurückzuführen auf den bisherigen privatwirtschaftlichen Betrieb, welcher lediglich auf Ausschüttung hoher Dividenden und rasche Amortisation des angelegten Kapitals abgezielt habe. Auf systematischen Aufbau und Her­stellung eines soliden Netzes habe niemand Wert gelegt. An einfachen Boden- und Wandgestängen aufgehängt und vielfach notdürftig repa­riert, weise das Netz vor allem bei Regen zahlreiche Störungen auf. Diese Mängel würden nun durch den neuen Eigentümer, den Staat, von Grund auf behoben. Die Drähte würden fein säuberlich mithilfe von Dachstän­dern über die Dächer hinweg geführt ausgenommen in gutbürgerlichen Wohnvierteln, wo sich die Hausbesitzer aus ästhetischen Gründen dage­gen verwehrten und deshalb eigens schmiedeeiserne Säulen zur Aufstel­lung kämen. 13 Die freie Drahtführung über Masten und Dachträger ist kostengünstiger als Erdkabel, aber umstritten; zum einen, weil sie in den riesigen Aus-