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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Entstehung
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97 funkstationen errichtet, um angesichts der sich verschärfenden politischen Spannungen mit Italien das adriatische Operationsfeld zu beherrschen. Bei den eingesetzten Geräten handelt es sich um solche von Telefunken , geliefert von der Wiener Niederlassung von Siemens& Halske . Im Februar 1910 wird in Pola die erste der Küstenfunkstationen dem öf­fentlichen Betrieb übergeben. Das nördlich des Staatsbahnhofs gelegene Gebäude beherbergt riesige Dynamomaschinen samt Akkumulatoren, die den Strom liefern, der zum Funken auf 150.000 Volt hochtransformiert wird. Als Antenne fungiert ein an die 100 Meter hoher Stahlgittermast mit einem schirmförmigen Drahtnetz, das als weithin sichtbares Wahrzeichen der modernen Zeit die Landschaft beherrscht. Jeder Tastendruck auf der Morsetaste löst eine dröhnende Entladung aus, welche auch außerhalb des Stationsgebäudes deutlich zu vernehmen ist. Die dabei über die An­tenne abgesetzten Schwingungen können von Malta im Mittelmeer bis zur Nordseeinsel Norderney aufgenommen werden. 22 Für die Telegrafisten stellt das laute Geknatter, mit dem ihre Arbeit einher­geht, eine nicht unerhebliche psychische Belastung dar, wie natürlich auch das Wissen, immerzu mit derart gefährlich hohen Spannungen zu hantie­ren. Atmosphärische Störungen erschweren überdies das Abhören einge­hender Botschaften und erzeugen beständige Anspannung, gespeist aus der Furcht, eines der flüchtigen Zeichen zu versäumen. Der Funkbetrieb ist zudem noch recht umständlich. Die Stationen können nicht gleichzeitig senden und empfangen, weshalb immer hin- und hergeschaltet werden muss. Um ein Funktelegramm absetzen zu können, bedarf es der vorhe­rigen Prüfung der Empfangsbereitschaft des Gegenübers. Die sendende Station ruft also die Station, an die die Nachricht gehen soll, kurz an und geht dann sofort wieder auf Empfang, um von der angerufenen Station die Bestätigung ihrer Empfangsbereitschaft zu erwarten. Langt diese ein, geht die Sendestation wieder auf Senden und gibt ihre Nachricht, nach­dem die andere wieder auf Empfang gegangen ist. Zum Senden muss ein ausreichendes Maß an Sendeenergie benutzt werden, das deutlichen Empfang gewährleistet, gleichzeitig aber geringstmöglich sein soll, um keine Störungen des allgemeinen Funkverkehrs zu verursachen. Denn von Störungen betroffene Sender würden ihrerseits die Energie erhöhen, um ihre Botschaften durchzubringen, wodurch es über kurz oder lang infolge Hochlizitierens zum Zusammenbruch des gesamten Funkbetriebs käme. 23 Im Juli 1910 nimmt die Küstenfunkstation Sebenico den öffentlichen Funkbetrieb mit Geräten von Telefunken auf, zwei Jahre später auch jene in Castelnuovo. Telefunken erhält auch den Zuschlag für die Ausrüstung österreichischer Kriegsschiffe. Auf Schiffen der österreichischen Handelsflotte werden be-