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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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132 Betriebe künftig im Geschäftsverkehr auf den Fernschreiber ebenso wenig verzichten würden können wie schon jetzt auf den Fernsprecher. Allerdings erfolgt die Verbreitung zunächst langsam. 1936 zählt man in ganz Deutschland erst 200 Fernschreibteilnehmer. Es handelt sich dabei vor allem um Banken, Industriebetriebe und Handelshäuser, Schifffahrtsge­sellschaften, Hotels, Zeitungen und Nachrichtenagenturen, aber auch um Ministerien und Behörden sowie Parteistellen der regierenden Nationalso­zialistischen Deutschen Arbeiterpartei von Adolf Hitler. 8 Einen Anstoß erhält der Fernschreibbetrieb durch die Olympiade, die im August 1936 in Berlin stattfindet. Für die 1.800 akkreditierten Pressevertre­ter werden eigene Postämter eingerichtet, wo sie spezielle Arbeitsplätze, Fernsprechzellen, aber auch Annahmestellen für Bildtelegrafie vorfinden. Fernschreiber stellen Verbindung zum Haupttelegrafenamt Berlin sowie zum Telegrafenamt Emden her, von wo aus die Abwicklung des Übersee­verkehrs erfolgt. Vertreter der großen Zeitungen und Nachrichtenagen­turen aus aller Welt können für ihre Berichterstattung von den Sport­bewerben in für sie im Stadion errichteten Glaskabinen auf individuelle Fernschreib- und Fernsprechverbindungen zurückgreifen. Für den Korres­pondenzverkehr zwischen den Sportstätten und den an der Organisation beteiligten Stellen sind eine Telefonanlage und ein Fernschreibnetz errich­tet worden. Zeitungen, Hotels und andere Institutionen erhalten Berichte vomReichssportfeld, wo die meisten Bewerbe stattfinden, über einen Fernschreibverteiler zugeleitet. 9 Es ist der zivile Probelauf einer Technik, die bald ganz anderen Zwecken dienen soll. Noch gehen Nachrichten über die Siege des afroamerikanischen Leichtathleten Jesse Owens in alle Welt, der aller nationalsozialistischen Rassentheorie zum Trotz zum unan­gefochtenen Star der Olympiade wird. Noch zeigt sich Deutschland modern, völkerverbindend und friedlich. Hinter den Kulissen wirkt aber längst schon die Diktatur. Seit die NSDAP an der Macht ist, ist das Telegrafengeheimnis aufgehoben. In strafrecht­lichen Verfahren ist Gerichten und StaatsanwaltschaftenAuskunft über Telegramme zu erteilen, die an den Beschuldigten gerichtet sind, von ihm herrühren oder für ihn bestimmt sind. 10 In Verbindung mit derVerord­nung zum Schutz von Volk und Staat aus dem Jahr 1933, die nahezu alle staatsbürgerlichen Grundrechte aufhebt, schafft sich das Regime unein­geschränkte Möglichkeiten der Kontrolle und des Terrors. So werden in der alltäglichen Praxis Telegramme im Falle eines bloßen Verdachts auf Initiative der Geheimen Staatspolizei einbehalten und überprüft. Findet sich politisch Verfängliches, drohen ernste Konsequenzen. Ergibt sich kein Delikt, werden die Telegramme möglichst rasch abgesendet, damit die